Mikroelektronik

Silicon Saxony zum EU Chips Act 2.0: Richtige Weichenstellungen – Substanz muss jetzt in Berlin entstehen

3. Juni 2026. Europas größtes Halbleiter-Cluster begrüßt die Erweiterung des Förderrahmens, Flagship-Projekt für fortschrittliche Fertigung und Buy-European-Komponente im öffentlichen Beschaffungswesen und fordert eine kohärente deutsche Halbleiterstrategie sowie eine substanzielle Mittelausstattung im MFR 2028–2034.

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Frank Bösenberg, Geschäftsführer von Silicon Saxony im Industriepark Dresden-Nord. Foto: Crispin-Iven Mokry

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Die heute von der Europäischen Kommission vorgelegte Verordnung zum EU Chips Act 2.0 enthält aus Sicht von Silicon Saxony, dem mit über 700 Mitgliedern größten und mit dem Cluster Management Excellence Label GOLD zertifizierten Halbleiter-Cluster Europas, mehrere strategisch richtige Weichenstellungen. Zugleich hängt die industriepolitische Substanz des Vorschlags am Ergebnis der Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 und damit am politischen Willen der Mitgliedstaaten, allen voran Deutschlands.

„Mit der Erweiterung des First-of-a-Kind-Rahmens auf Spezialmaterialien, Fertigungsanlagen, Leiterplatten, fortschrittliche Verpackung und fertigungsorientiertes Chipdesign wird genau jene Wertschöpfungstiefe in den Förderhorizont gerückt, die Sachsen in den vergangenen drei Jahrzehnten aufgebaut hat“, erklärt Frank Bösenberg, Geschäftsführer von Silicon Saxony. „Das ist die richtige industriepolitische Antwort auf das, was die europäische Halbleiterindustrie konsistent eingefordert hat.“ Mit den formulierten Ambitionen für Speicherchips zeichnet der Chips Act 2.0 somit insgesamt einen deutlich ganzheitlicheren Ansatz als in der Vergangenheit. Es ist nun von entscheidender Bedeutung, die formulierte Ambition mit den bereits vorhandenen Projekten auf europäischer und deutscher Ebene, die einer Bewilligung entgegensehen, zu synchronisieren.

Ebenfalls ausdrücklich begrüßt Silicon Saxony die neuen Bestimmungen zum öffentlichen Beschaffungswesen (Artikel 30 bis 32), die für kritische Infrastrukturen eine Versorgungssicherheitserklärung mit nachweisbarem Anteil inländischer Unternehmen und eine Strategie zur doppelten Beschaffung vorsehen. „Das ist die überfällige Antwort auf die strategische Frage, wie europäische Halbleiter ‚Demand-Pull‘ bekommen. Wir erwarten, dass insbesondere bei den geplanten europäischen KI-Gigafactories die Versorgungssicherheitserklärung konsequent angewandt wird.“

Außerdem begrüßen wir die Idee sogenannte „Europäischer Exzellenzregionen für Halbleiter“. Wir sehen den Vorschlag als Beleg dafür, dass man in Europa von den Erfahrungen aus Sachsen gelernt hat, und stehen gern für einen Austausch zu diesem Thema zur Verfügung. Denn als europäisches Halbleiter-Cluster mit der Gold-Zertifizierung der European Secretariat for Cluster Analysis sowie mit der größten Mitgliederbasis Europas verfügen wir über die institutionelle Grundlage, die dieses Label für weitere Regionen voraussetzt. Nicht zuletzt war und ist die Gold-Zertifizierung ein zentraler Erfolgsfaktor für die Internationalisierung und Sichtbarkeit von Silicon Saxony als Hightechregion in Europa.

Kritisch bewertet Silicon Saxony, dass dem EU Chips Act 2.0 eine unmittelbare fiskalische Hinterlegung fehlt. „Die Größenordnung zur Finanzierung der Vorhaben wird sich in den Verhandlungen zum nächsten mehrjährigen Finanzrahmen entscheiden. Hier erwarten wir, dass die Bundesregierung der Halbleiterindustrie jene haushaltspolitische Priorität einräumt, die ihrer geopolitischen Bedeutung entspricht“, sagt Bösenberg. Silicon Saxony unterstützt die Forderung der European Semiconductor Industry Association nach einer eigenständigen Halbleiter-Budgetlinie von mindestens 20 Milliarden Euro im Europäischen Wettbewerbsfonds.

Die nächste Aufgabe sieht Silicon Saxony in der Synchronisation des Chips Act 2.0 mit der bestehenden deutschen Halbleiterstrategie. „Brüssel hat die Architektur gestellt. Die industrielle Substanz muss jetzt in Berlin, München und Dresden entstehen. Wir werden den strukturierten Dialog mit den Bundeswirtschaftsministerien, der Sächsischen Staatsregierung, unseren Mitgliedern sowie unseren europäischen Silicon Europe-Partnern aktiv vorantreiben“, sagt Frank Bösenberg.

Über Silicon Saxony

Der Silicon Saxony ist mit über 700 Mitgliedern das größte Hightechnetzwerk Sachsens und eines der größten Mikroelektronik- und IT-Cluster Deutschlands sowie Europas. Als eigenfinanzierter Verein verbindet Silicon Saxony seit seiner Gründung im Jahr 2000 Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen/Universitäten, Forschungsinstitute, öffentliche Einrichtungen sowie branchenrelevante Startups am Wirtschaftsstandort Sachsen und darüber hinaus. Übergeordnete Ziele der Netzwerkarbeit sind u.a. der Ausbau sowie die Stärkung des führenden Mikroelektronikstandortes Europas als auch das Vorantreiben der parallel verlaufenden Entwicklung hin zu einem Softwareland Sachsen.

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