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Zwischen neuer (Un)Ordnung und Zuversicht: Das OWF 2026 diskutiert die Zukunft der Wirtschaft und Silicon Saxony ist mittendrin

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF) 2026 in Bad Saarow zeigte ein gemischtes Bild für die Wirtschaft. Zwischen Potential und fehlender Zuversicht wurde vor allem eines deutlich: Das Forum ist längst ein Taktgeber für die gesamtdeutsche Wirtschaft.

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Vom 31. Mai bis zum 2. Juni diskutierten beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow Vertretende aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft unter dem Leitmotiv „Eine neue (Un)Ordnung“ drei Tage lang über Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Ostdeutschland. Doch bei Panels, Diskussionsrunden, Workshops und Hintergrundgesprächen wollte sich kein klares Bild ergeben. Denn einerseits gibt es enorme wirtschaftliche und technologische Potenziale, andererseits fehlen eine klare Vision und das Vertrauen in die eigenen Stärken.

Viel Potenzial – aber zu wenig Zuversicht

Wie ambivalent die aktuelle Stimmungslage in den neuen Bundesländern ist, zeigte auch das im Rahmen des OWF veröffentlichte „Transformationsbarometer 2025“. Befragt wurden hierfür zwischen dem 3. März und dem 26. April 2025 1.500 privatwirtschaftliche Entscheider in ostdeutschen Unternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitenden. Seit Beginn der Befragung im Jahr 2022 bescheinigen sie Ostdeutschland kontinuierlich ein hohes Wirtschaftspotenzial: 56 Prozent schätzen das Potenzial als groß ein, 23 Prozent davon sogar als sehr groß. Demgegenüber stehen nur 23 Prozent, die es für gering halten. Besondere Chancen sehen die befragten Unternehmen in den Bereichen Erneuerbare Energien und Mikroelektronik.

Dies spiegelte sich auch in den verschiedenen Veranstaltungsformaten des OWF wider. So wurde Silicon Saxony namentlich und mehrfach als Benchmark für erfolgreiche Hightech-Clusterentwicklung genannt – unter anderem von Bundeskanzler Friedrich Merz, von Bundesminister Karsten Wildberger, von Fraunhofer-Präsident Holger Hanselka und Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter.

Doch gleichzeitig – und auch das zeigt die Studie – herrscht eine ausgeprägte Skepsis darüber, ob dieses Potenzial unter den aktuellen Rahmenbedingungen tatsächlich gehoben werden kann. 40 Prozent der Befragten erwarten künftig in keiner Branche ein besonders großes Wachstum. Brandenburg bildet hier die einzige Ausnahme. Auch wenn es darum geht, die allgemeine wirtschaftliche Lage einzuschätzen, ist die Stimmung dort am besten.

Dabei blickt die Mehrheit der Befragten auf ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr 2024 zurück. Auch das bestätigte sich in den Diskussionen auf und abseits der Bühnen des OWF: Die Stimmung ist häufig schlechter als die tatsächliche Lage.

Daher war es genau diese fehlende Zuversicht, die beim OWF immer wieder thematisiert wurde. Dass wir grundsätzlich in herausfordernden Zeiten leben, war Konsens. Dass viele dieser Herausforderungen hausgemacht sind, allerdings ebenso. Hohe Energiekosten, langwierige Genehmigungen, aufgeblähte Verwaltungsstrukturen und nicht zuletzt ein strukturelles Misstrauen gegenüber dem Unternehmertum sind aber – und auch das wurde immer wieder deutlich – keine ostdeutschen Probleme.

Daher waren die notwendigen Hebel schnell identifiziert: Mehr Geschwindigkeit, weniger Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen, die Skalierung exzellenter Forschung in tragfähige Geschäftsmodelle und vor allem mehr Vertrauen in das Unternehmertum und die eigenen Stärken tun ganz Deutschland gut.

Ostdeutschland zwischen strukturellen Herausforderungen und starken Assets

Trotzdem stellt sich 35 Jahre nach der Wiedervereinigung die Frage, wie sehr der Osten wirtschaftlich gesehen aufschließen konnte. Dieser Frage widmete sich der „Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026“, der ebenfalls im Rahmen des OWF veröffentlicht wurde.

Unter dem Titel „Ostdeutschlands Aufholprozess ist in Gefahr“ zeichnet die Studie der ifo Niederlassung Dresden, die unter anderem in Zusammenarbeit mit der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, entstanden ist, ein kritisches Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in den neuen Bundesländern. Auf Basis von Kennzahlen, die teilweise bis 2023, teilweise bis 2025 erhoben wurden, verweist die Studie insbesondere auf geringe private Investitionen, demografische Herausforderungen, fehlendes Wachstumskapital und die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte.

Zwischen 2019 und 2023 lagen die privaten Investitionen pro Einwohner im Osten lediglich bei rund drei Vierteln des westdeutschen Niveaus. Gleichzeitig wird der demografische Wandel den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren zusätzlich belasten. Vor allem junge und gut ausgebildete Talente verlassen häufig die ostdeutschen Flächenländer.

Im entsprechenden Workshop zur Studie war es den Autor jedoch ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass es ihnen bewusst nicht darum ging, schlechte Stimmung zu verbreiten. Und so zeigten die Wortbeiträge im Anschluss an die Vorstellung, aber auch die Impulse und Panels auf der großen Bühne im Theater am See, dass dies nur ein Teil des Bildes ist.

Vielmehr wissen sowohl Wirtschaftsvertreter als auch Bundes- und Landespolitiker sehr genau, welche Stärken Ostdeutschland bereits heute einbringt. Eine starke Forschungslandschaft, die Expertise in Mikroelektronik, Chemie, Materialwissenschaften und Astrophysik, die enge Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien sowie die zunehmende Bedeutung erneuerbarer Energien als wichtige Zukunftsassets sind weithin bekannt.

Auch die Tatsache, dass Ostdeutschland Transformation nicht nur theoretisch diskutiert, sondern sie in den vergangenen Jahrzehnten praktisch erlebt hat, spricht für den Osten, weil daraus eine besondere Resilienz entstanden ist. Und so waren es am Ende vielmehr die bundesdeutschen Herausforderungen, die die Debatten des OWF bestimmten.

Genau hier wurde auch sichtbar, warum das OWF längst kein „Forum des Ostens für den Osten“ mehr ist. Die Wahrnehmung Ostdeutschlands als reine Transformationsregion greift inzwischen deutlich zu kurz. Der Unterschied – und auch das lässt sich mit der Studie des ifo-Instituts belegen – ist heute weniger einer zwischen Ost und West als vielmehr einer zwischen starken und schwachen Regionen innerhalb des gesamten Landes. Und genau diese gilt es zu adressieren.

Roadmapping-Prozess der Hightech Agenda schreitet voran

Und mit Blick auf genau diese Herausforderungen war es auch folgerichtig, dass der deutschen Hightech-Agenda mit ihren sechs Schwerpunkttechnologien und den dazugehörigen Roadmaps ein eigenes Workshopformat eingeräumt wurde.

Zwei der sechs Workshops wurden dabei von dem Vorsitzenden unseres Präsidiums, Prof. Frank Schönefeld (Künstliche Intelligenz), und Silicon-Saxony-Geschäftsführer Frank Bösenberg (Mikroelektronik) geleitet. Gemeinsam mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren bewerteten, ergänzten, priorisierten und schärften sie bestehende Ziele.


Roadmapping-Workshop beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow.
Bild 1: Workshop-Leiter Professor Frank Schönefeld | BILDER: OWF 2026

Denn Deutschland braucht zwar eine gemeinsame Vision, aber der Weg zum Ziel muss vor dem Hintergrund sich rasant verändernder Rahmenbedingungen flexibel bleiben. Genau diesem Anspruch werden die Roadmaps gerecht, die gemeinsam mit allen Stakeholdern und insbesondere Unternehmer kontinuierlich weiterentwickelt werden sollen.

Und wie immer zeigte sich hier: Wenn Menschen eingebunden werden, wenn sie das Ziel vor Augen haben und vor allem einen Beitrag zum Weg leisten können, dann schafft das Zuversicht und Vertrauen. Vertrauen, das nicht nur die Hightech-Agenda braucht, sondern das gesamte Land.

Am Ende bleibt trotz aller Herausforderungen auch Zuversicht

Und vielleicht war genau das nach drei Tagen intensiver Gespräche und Veranstaltungen die wichtigste Erkenntnis: Ja, es gibt sie, die zahlreichen großen und kleinen Herausforderungen. Sie kommen von innen und von außen.

Aber insbesondere die Auftritte von Bundesminister Karsten Wildberger und Bundeskanzler Friedrich Merz am letzten Tag des OWF machten deutlich, dass Politik und Wirtschaft wieder stärker über Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Gestaltungswillen sprechen, Dinge auf den Weg bringen wollen und sich der Dringlichkeit der Lage bewusst sind.

Und der große Applaus des Publikums – nicht nur bei diesen beiden Reden, sondern auch beim allerersten Impuls von Professor Marcin Piatkowski aus Polen an Tag 1, der sich nicht nur als glühender Europäer bekannte, sondern die Deutschen auch aufforderte, das Glas wieder häufiger halb voll zu sehen – zeigte: Unternehmen und die dahinterstehenden Menschen wollen vertrauen, sie wollen Zuversicht und sie sind bereit, gemeinsam daran zu arbeiten.

Oder anders formuliert: Die Welt wird vermutlich nicht wieder vollständig geordnet sein. Entscheidend ist deshalb nicht, ob sich Dinge verändern, sondern wie mutig, schnell und gemeinsam wir darauf reagieren.

Und so sind wir am Ende doch mit weit mehr Zuversicht aus Bad Saarow zurückgekehrt, als wir anfangs vermutet hatten.

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Weiterführende Links

Beteiligen Sie sich am Roadmapping zur Hightech-Agenda.

👉 Roadmapping-Prozess der Hightech Agenda Deutschland (HTAD)

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