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Silicon Saxony: Willkommen im Zeitalter der Agentic Enterprise. Jetzt werden alle Chefin oder Chef!

11. Juni 2026. Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Niemand traut ihr so richtig. Viele warnen inzwischen aktiv vor ihr – selbst seit Jahrzehnten aktive KI-Forscher:innen und -Entwickler:innen. Doch der KI-Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Er rollt, ob es uns Menschen gefällt oder auch nicht. Aufregend und unterhaltsam sind die Entwicklungen dennoch allemal. Speziell eines der noch jungen KI-Konzepte im unternehmerischen Bereich sorgt aktuell für Aufsehen – die „Agentic Enterprise“. In ihr sollen Menschen und virtuelle KI-Agenten Hand in Hand zusammenarbeiten. Ein spannendes Experiment, das die Führungspositionen in Unternehmen zu demokratisieren scheint. Im Rahmen des diesjährigen Vodafone GO AI SUMMIT in Dresden stand die Agentic Enterprise entsprechend hoch im Kurs. Wie die Arbeit in einer Agentic Enterprise aussieht, was Mensch und Maschine unterscheidet und wie kleine und große Unternehmen diesen Trend mittlerweile mit Vehemenz verfolgen, erfahren Sie hier.

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Wie bei so vielen Standard-KIs kam auch hier nach langem Hin und Her der Punkt, an dem es hieß: "Lass gut sein, passt schon. Ist nur ein Bild." Foto: Canva AI

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„Chef:in zu werden, ist nicht schwer. Chef:in zu sein, eigentlich nicht viel mehr.“ Nein, dies ist keine Spitze in Richtung aller Führungskräfte. Vielmehr ist dies die neue Realität eines noch jungen Tech-Trends – der Agentic Enterprise. Im Fahrwasser der Künstlichen Intelligenz schippert uns diese neue Unternehmensstruktur aktuell entgegen. Für all jene, die sich nun fragen, „Bitte was ist eine Agentic Enterprise?“, hier eine hoffentlich erhellende Erklärung eines der Hauptprotagonisten dieser Entwicklung – der Künstlichen Intelligenz (KI):

„Eine Agentic Enterprise ist eine Unternehmensorganisation, in der autonome KI-Agenten und menschliche Mitarbeiter nahtlos zusammenarbeiten. Anders als bei klassischer Automatisierung zerlegen Agenten übergeordnete Ziele selbstständig in Teilaufgaben, treffen datenbasierte Entscheidungen und führen Prozesse aus, während der Mensch primär die Ergebnisse überwacht.“

Early Adopter kreieren aktuell spannende KI-Experimente

Kurz gesagt, sind wir alle (außer unsere Chefinnen und Chefs) auf dem besten Weg befördert zu werden. Eine tolle Nachricht, auch wenn nur in den seltensten Fällen eine Gehaltserhöhung unser Konto bereichern oder ein klangvoller Titel unsere Visitenkarten zieren wird. Gut, momentan sind es nur wenige Unternehmen, die den Führungsstatus tatsächlich konsequent zu demokratisieren versuchen. Doch es gibt sie, die Early Adopter – jene Menschen und Unternehmen, die mutig genug sind, Techtrends lange vor der breiten Masse auszuprobieren. 

Einer dieser Early Adopter im Bereich der Agentic Enterprise ist jenes spannende Experiment, das Dominic von Proeck und sein Start-up „Leaders of AI“ vor nicht allzu langer Zeit gestartet haben. Mit maximal zehn menschlichen Mitarbeitenden möchte von Proeck sein Unternehmen maximal skalieren. Gesucht wird der Punkt, an dem entweder die „Agentic-Blase“ platzt oder die zehn menschlichen Mitarbeiter:innen samt Unternehmung die Grenzen des menschlich Machbaren erreichen. 

Neue Angestellte entstehen auf der Basis „Wünsch dir was!“

Noch liegt dieser Punkt in weiter Ferne. Bislang stehen jenen zehn menschlichen Vollzeitäquivalenten etwas mehr als 50 KI-Agenten zur Seite. Jede menschliche Person führt damit inzwischen digitale Personas. Mal eine größere Anzahl, mal eine kleinere. Das Team wächst und das unaufhörlich. Einstellungen erfolgen längst nicht mehr über Personaler:innen, Headhunter:innen, Zeitarbeitsfirmen oder gar die Arbeitsagentur. Nein, bei Leaders of AI werden Neueinstellungen – so zumindest die unterhaltsame Erzählung – schon einmal an Wochenenden mit viel Pizza und wenig Schlaf einfach selbst erzeugt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 

Personaler des Vertrauens ist der Chief Technology Officer (CTO). Mit Code und reichlich Koffein programmierte Stephan Hartmann initial, was für die Unternehmensentwicklung oder als Teamassistenz von realen Mitarbeitenden benötigt wurde. Inzwischen hat selbst Hartmann seine eigenen Agenten hinter sich. KI programmiert damit KI. Die menschlichen Kolleg:innen liefern „nur“ noch ihre Wünsche – von Skillset bis Persönlichkeit. Jede Neu-Einstellung, besser Neu-Entwicklung, erhält ihr eigenes Aufgabenfeld, einen unverwechselbaren Charakter und jene Fähigkeiten, die dringend gesucht oder perspektivisch benötigt werden. Anders als auf dem freien Arbeitsmarkt ist „wünsch dir was“ hier die einzig valide Option. Heraus kommen nicht-physische Angestellte, die weder abgeworben werden können, noch ihren Chefs nach einer ausgedehnten Anlernphase anderweitige Probleme bereiten sollen. Mit einem Schmunzeln erklärt von Proeck: jene KI-Mitarbeiter behandeln ihren „großen“ Chef deutlich besser als die zehn menschlichen Teammitglieder. Keine Launen, kein Fehlverhalten stören die täglichen Arbeiten. Was passiert, ist programmiert und damit von vornherein gewollt. Welch schöne neue Welt um Chef zu sein.  

Echte Code-Profis und klare Ziele sichern den Erfolg 

Von Proeck hat sich diesen Wohlfühl-Luxus etwas kosten lassen und mit Stephan Hartmann einen echten KI-Flüsterer ins Boot geholt. Hier sitzt kein „Versuch und Irrtum“-Coder an der Tastatur. „Mit einem Master in Artificial Intelligence der Uni Würzburg, Machine Learning bei Volkswagen und KI-Projekten in Millionenhöhe bei EY weiß er, wie man aus Ideen funktionierende (KI-) Systeme baut“, heißt es auf der firmeneigenen Website. Entsprechend funktioniert auch, zumindest laut Außendarstellung und solange die Welt kein „Terminator“-Moment ereilt, was das Start-up sich wünscht und im täglichen Arbeiten benötigt. 

Der Mensch optimiert und maximiert hier unaufhörlich den Output seines persönlichen Arbeitsbereiches. Ziel ist ein „durchschnittlicher Jahresumsatz von 1,5 Millionen Euro pro menschlichem Mitarbeitenden“, so das unternehmenseigene Ziel. Die Millionenmarke, so wird offen kommuniziert, hat man längst geknackt. Wo andere mit selbstgebastelten oder in Tools integrierten KI-Frankensteinen ringen, wird hier mit KI-Persönlichkeiten wie Hansi, Elli und Franz entspannt das Business gerockt. So kommen zu einem kleinen Unternehmen mit zehn Mitarbeiter:innen aus gutem Grund Tech-Giganten wie Google und Microsoft, um die Agentic Enterprise live und in Aktion zu erleben. 

Lassen Sie KI-Agenten überschaubare Themenfelder mit klaren Skills beackern

Von der Entwicklung skalierbarer, qualitativ hochwertiger Prozesse über Social Media, Podcast, News und Recherche bis zu Sales und Buchhaltung stehen KI-Agenten auf unterschiedlichen Arbeits- und Entscheidungsleveln zur Verfügung. Wird ein KI-Team, z.B. im Marketing, zu groß, erhält es ein eigenes KI-Teamlead, das Aufgaben verteilt, Arbeiten überwacht, Informationen bündelt und an einen Menschen zur finalen Abstimmung und Freigabe weiterleitet. „Bei uns geht nichts nach außen, was nicht von menschlichen Mitarbeitenden freigegeben ist“, erklärt von Proeck. Trotz vollen Zugriffs der KI-Agenten auf alle Plattformen wird erst agiert, wenn die oder der menschliche Vorgesetzte den „Befehl“ zur Ausführung bzw. Umsetzung erteilt. 

„Hinter jeder großartigen KI steckt ein großartiger Mensch, der die Fäden zieht“, steht in diesem Moment scheinbar passend und frei übersetzt auf einem Rollup des Vodafone GO AI SUMMIT. In dessen Rahmen präsentierte von Proeck seine Agentic Enterprise in Dresden einem hochrangigen Fachpublikum und ordnet die KI-Realität dann doch überraschend anders ein. Denn ganz so einfach ist es mit dem Fäden ziehen nicht, wie der CEO berichtet. Denn längst kommt der Code für KI-Agenten – wie bereits erwähnt – nicht mehr vom CTO, sondern basteln eigens entwickelte KI-Agenten an neuen KI-Agenten. Auch werden die neuen virtuellen Mitarbeiter von anderen KI-Agenten angelernt. Selbst die Prompts für zu erledigende Aufgaben kommen von der KI – und das besser, als jeder Mensch sie schreiben könnte. Die Fäden zieht demnach inzwischen wohl eher die KI.  Der Mensch versucht das von der KI gesponnene Netz sowie die erzeugten Ergebnisse bestmöglich zu kontrollieren und zu nutzen. 

KI-Expert:innen warnen lauter als je zuvor vor den aufkommenden Gefahren

Und genau hier schrillen die Alarmglocken von KI-Expert:innen. In mehreren Artikeln warnten zuletzt Spezialisten wie KI-Forscher und Informatiker Stuart Russell vor diesem – wie sie meinen – gefährlichen Trend. „Die Menschheit ist in einer schlechten Lage. Alle Tests schlagen Alarm, die Sirenen heulen. Und wir ignorieren das einfach. Das ist Wahnsinn“, sagte Russell zuletzt in einem Interview mit dem Spiegel. „Wir wissen nicht, was sie ‚denken‘. Wir verstehen nicht einmal ihre genaue Funktionsweise“. Das mag bei einem Social Media Post oder einem Podcast zu verschmerzen sein. Ein kleines Start-up riskiert bei Fehlern von KI-Agenten oder möglichen Übergriffen die eigene Reputation. Ein Weltuntergang ist hier jedoch nicht zu befürchten. Doch was läuft hinter den verschlossenen Türen von Großkonzernen und deren weitaus schlagkräftigeren KI-Systemen? 

Für von Proeck hat das Ziehen von Fäden derweil nur eine untergeordnete Bedeutung. Seine KI-Agenten sind Spezialisten in „kleinen Themenfeldern“. Hier wird nicht über Wohl und Weh der Welt entschieden. Sein Ziel ist es vielmehr, allen menschlichen Mitarbeiter:innen Zeit zu verschaffen. Nicht um noch mehr abzuarbeiten, wie er glaubhaft versichert, sondern um mit Menschen in den persönlichen Kontakt zu kommen – seinen Kundinnen und Kunden. Diese gilt es zu begeistern. Mit Nähe, Vertrauen und einer professionellen persönlichen Beziehung. Denn auch wenn Routinen und ganze Arbeitsfelder ausschließlich von KI-Agenten beackert werden, den direkten Kontakt zu Menschen übernehmen ausschließlich Menschen. 

Mensch und Maschine sind aktuell zu unterscheiden – aber wie lange noch?

Wie man den Unterschied zwischen einem KI-Post und einer menschlichen Nachricht bemerkt? „Wenn Sie mir schreiben, erkennen sie, dass ich Ihnen antworte“, erklärt von Proeck grinsend. „Denn meine Antworten sind kurz und gemein“. Da ist er wieder, der Hinweis auf die stets freundliche und rein faktenbasierte Kommunikation seiner virtuellen Mitarbeitenden. Und wohl auch der Grund, warum die menschlichen Angestellten gelegentlich ihre Freundlichkeit gegenüber ihrem Chef verlieren. Als Bonus, und das abseits aller zwischenmenschlichen Herausforderungen, werden KI-Agenten weder krank noch schwanger, gehen weder in den Urlaub noch in eine Kur, können weder abgeworben werden noch kündigen sie, müssen nicht in Personalgesprächen eingenordet werden, erwarten keine Gehaltserhöhungen oder eben einen Chef, der ihre Bedürfnisse mit Freundlichkeit und Fürsorge im Auge behält. 

Ist das also der Garten Eden, dessen Tore wir gerade öffnen oder doch die Büchse der Pandora?

Fakt ist, neben all den Warnungen von KI-Expert:innen hat Künstliche Intelligenz aktuell noch einen schweren Stand. Alle wollen sie. Viele meinen sie zu brauchen. Vertrauen will ihr, glaubt man Umfragen und Studien wie jener zum Thema „Demokratie im KI-Zeitalter“ des Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation, nur die wenigsten so richtig. Menschen aus zwölf europäischen Ländern wurden befragt. Die Ergebnisse sind, diplomatisch ausgedrückt, durchwachsen. Auch wenn es hier eher um Gefahren für Demokratie und Informationsfreiheit geht, lässt sich das allgemeine Misstrauen auch auf unternehmerische Bereiche übertragen. Oder würden Sie einer Kollegin oder einem Kollegen im Job vertrauen, der ihnen privat suspekt ist oder sogar eine Gefahr darstellt?

Künstliche Intelligenz ist (noch) kein Job-Killer, sondern ein Ergebnisbeschleuniger

Hinzu kommt die Befürchtung vieler, die KI-Agenten könnten Jobs übernehmen, Menschen verdrängen und eine neue Arbeitsrealität schaffen. Uli Irnich, CIO Advisor EMEA bei Salesforce, beruhigt hier ein wenig. Salesforce, eines der großen Softwareunternehmen Europas beschäftigt aktuell 12.000 Software-Entwickler:innen. Auch hier strebt man den Weg hin zur Agentic Enterprise an, allerdings in weitaus größerem Maßstab als bei den „Leaders of AI“. Trotzdem denkt das Unternehmen inzwischen nicht mehr über die Reduzierung seiner menschlichen Entwickler:innen-Basis nach. „Erhalten jede Entwicklerin und jeder Entwickler fünf KI-Agenten zur Unterstützung, machen wir aus 12.000 Entwickler:innen 60.000. Projekte können dann schneller umgesetzt und an die Kunden ausgerollt werden“, erklärt Imich. Ob diese Sicht auch noch Bestand hat, wenn KI-Führungskräfte und KI-Agenten ihre menschlichen Chefinnen und Chefs überflügeln, bleibt abzuwarten. 

Über die Probleme von morgen, kann sich dann wohl die Künstliche Intelligenz Gedanken machen. Spätestens dann, wenn die erste Agentic Enterprise nicht mehr von einem Menschen, sondern von der KI selbst geführt wird. Bislang schlagen sich die meisten Unternehmen noch mit sperrigen und zumeist recht begriffsstutzigen Standard-KIs herum. Erstellen mäßig designte Bilder mit Canva (Siehe Header), immer gleich strukturierte Texte mit ChatGPT und hoffentlich nicht zusammen halluzinierte Recherchen mit Perplexity. Die neue KI-Welt ist oftmals noch nicht so glänzend, wie Ausnahmen wie „Leaders of AI“ sie erscheinen lassen. Aber die KI lernt bekanntlich schnell. In ein paar Monaten kann all das schon ganz anders aussehen. Also bleiben sie geduldig mit Ihren KI-Agenten, seien Sie freundlich und nett. Wer weiß, was uns die Zukunft bringt und wer demnächst das Sagen hat. 

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Weiterführende Links

👉 https://www.leadersofai.com  
👉 https://www.vodafone-institut.de/publikation/demokratie-im-ki-zeitalter/ 
👉 https://www.salesforce.com/de/agentforce/agentic-enterprise/  
👉 https://www.ey.com/de_de/agentic-enterprise-ai-treibt-digitale-transformation  

Foto: Canva AI

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