1. Herr Dr. Deicke, können Sie sich an den Moment erinnern, in dem Sie entschieden haben, SPARK zu unterstützen? Was konkret hat Sie bewegt, was Ihre Entscheidung bewirkt?
Ich bin erstmals über den Silicon Saxony Newsletter auf SPARK aufmerksam geworden. Den Calliope Mini kannte ich bereits aus der Langen Nacht der Wissenschaft, wo meine Kinder erste Erfahrungen damit gesammelt hatten. Das Konzept überzeugte mich sofort, weil es Technik auch für Kinder sehr zugänglich und auf spielerische Weise vermittelt. Für mich war deswegen schnell klar, wenn wir als Unternehmen die Möglichkeit haben, so ein Projekt zu unterstützen, dann sollten wir das tun.
Ich bin begeistert von den vielen Freiwilligen, die sich als Coach engagieren und Grundschulkinder betreuen. Aus meiner Sicht liegt viel Verantwortung bei uns als Gesellschaft. Wir entscheiden, wie wir unsere gemeinsame Zukunft gestalten wollen. Dafür sind wir alle gefragt.
2. Wie spiegelt sich Ihr Engagement für SPARK im Selbstverständnis Ihres Startups und in Ihrer Unternehmenskultur wider?
Wir sind ein regional verankertes Technologieunternehmen und wollen nicht nur über unsere Produkte und Dienstleistungen einen Beitrag zur Region leisten, sondern, wenn möglich, auch für die Gesellschaft im Allgemeinen. Unsere Unternehmenskultur ist dabei geprägt von Eigenverantwortung und Vertrauen. Jeder hat die Freiheit, Themen aktiv voranzutreiben, weiß aber auch, dass jederzeit Unterstützung im Team verfügbar ist. Dieses Prinzip zu befähigen und gleichzeitig den passenden Rahmen zu schaffen, spiegelt sich auch in unserem Engagement für SPARK wider.
3. Welchen Einfluss hat Ihrer Ansicht nach frühe MINT-Bildung auf die persönliche Talententwicklung? Und welche Relevanz hat sie aus Ihrer Sicht für ein Hightech-Cluster wie Silicon Saxony, z.B. mit Blick auf das Thema Fachkräfte?
Mir ist wichtig, dass Kinder die Möglichkeit haben, verschiedene Bereiche zu erkunden und sich auszuprobieren, sei es Kultur, Sport oder Technik. MINT-Bildung hat für das Hightech-Cluster Silicon Saxony sicher eine große Bedeutung, wenngleich ich finde, dass sich nicht jedes Kind später in diesem Bereich wiederfinden muss. Wunderbar wäre es, wenn Kinder ihre eigenen Interessen entdecken und sich darin weiterentwickeln können.
4. Welche technischen Fähigkeiten und Soft Skills sollten Kinder im Grundschulalter durch ein Projekt wie SPARK vermittelt werden – über die reinen Programmierkenntnisse hinaus?
Aus meiner Sicht ist der Prozess wichtig: also eine Idee zu formulieren, zu überlegen, wie man sie umsetzt, sie auszuprobieren. Und dann, wenn man auf Probleme stößt und merkt, dass nicht alles so einfach ist, trotzdem dran zu bleiben, zu versuchen, miteinander eine Lösung zu finden, und das besondere Gefühl zu entdecken, wenn es dann endlich funktioniert.
5. Ihr Startup entwickelt Embedded Security Lösungen. Welche Parallelen sehen Sie zu den Grundlagen, die Kinder durch das Programmieren mit dem Calliope Mini kennenlernen?
Die grundlegende Denkweise ist sehr ähnlich: Man zerlegt ein Problem in kleinere Schritte, entwickelt eine Lösung und überprüft, ob sie funktioniert. Genau das ist auch der Kern bei der Entwicklung von sicheren Embedded Lösungen, nur auf einem anderen Komplexitätsniveau und mit klaren Anforderungen an Zuverlässigkeit und Sicherheit. Der Calliope Mini vermittelt diese Denkweise sehr früh und auf eine verständliche Art.
6. Sachsen gilt als einer der dynamischsten Hightech-Standorte Europas. Welche Rolle spielt Ihr Unternehmen in der regionalen Innovationslandschaft und wie profitieren sächsische Grundschulkinder perspektivisch davon? Inwiefern trägt regionales Engagement wie Ihres dazu bei, dass Kinder Technik als Chance wahrnehmen und nicht als etwas Abstraktes oder Schwieriges?
Sachsen hat sich zu einem starken Hightech-Standort entwickelt, und wir leisten unseren Beitrag, indem wir Unternehmen unterstützen, ihre Produkte und Systeme sicherer zu machen. Unser Beitrag für das Projekt liegt darin, komplexe Technologien verständlicher und hoffentlich zugänglicher zu machen. Wenn Kinder früh erleben, dass Technik etwas ist, das man selbst gestalten kann, verliert sie ihren abstrakten Charakter. Genau das ist entscheidend, damit aus Neugier später echtes Interesse werden kann.
7. Viele Startups konzentrieren sich in der Anfangsphase vor allem auf Produktentwicklung und Wachstum. Warum investieren Sie bewusst in das Thema Nachwuchsförderung?
Für junge Menschen ist es heute nicht immer einfach, eine Leidenschaft für ein Thema zu entdecken, die einen Teil oder sogar das ganze Leben begleitet. Ich finde es schade, wenn ich sehe, dass junge Menschen nicht wissen, was sie nach dem Schulabschluss machen wollen. An diesem Punkt zu unterstützen, kann Orientierung geben, oder helfen sich weiterzuentwickeln, z.B. durch ein Studium. Ich fand es schon immer wichtig jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in einem neuen Themenfeld auszuprobieren. Bei KiviCore haben wir im Prinzip sofort damit begonnen, Nachwuchstalenten Einblicke zu geben, etwa durch Praktika oder Schülerprojekte. In einem Fall ist daraus erst vor kurzem eine feste Anstellung entstanden.
8. Wenn Sie bei einem Calliope-Workshop dabei wären und ein Kind gerade sein erstes Mini-Programm selbst geschrieben hat: was würden Sie ihm in diesem Moment sagen?
Ich würde das Kind fragen, wie es sich gerade fühlt. Dieser Moment, wenn etwas zum ersten Mal funktioniert, ist etwas Besonderes. Sich dessen bewusst zu werden, ist oft viel wertvoller als jedes Lob von außen.
Mein Mitgründer Dr. Andreas Weder hat selbst solch einen Einstieg in die MINT-Welt erlebt: Er hat seine ersten Gehversuche an einem Robotron K8915, einem DDR 8-Bit-Rechner, gemacht. Diese frühe Erfahrung hat sein Interesse am Programmieren und Elektronik geweckt. Rückblickend zeigt sich sehr gut, wie wichtig solche ersten Berührungspunkte sind. Ganz oft ist es ein konkretes Erlebnis, das Neugier auslöst und einen Zugang zu einem Thema schafft.
Aus dieser Sicht sind frühe MINT-Angebote sehr wichtig. Sie geben Kindern die Möglichkeit, sich auszuprobieren und Technik aktiv zu erleben. Genau daraus kann sich Interesse entwickeln, das später auch die Berufswahl beeinflusst.
Herr Dr. Deicke, vielen Dank für das Gespräch und Ihr Engagement!


