Praxis bleibt die größte Herausforderung
An den ersten beiden von insgesamt drei Befragungen nahmen 26 Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr der Mechatronik teil. Im Fokus standen zentrale Inhalte der Halbleiterfertigung wie Vakuumtechnik, LPCVD-Anlagen und strukturierte Störungsdiagnose (8D).
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild:
- 62 % fühlen sich mit den theoretischen Grundlagen von LPCVD-Anlagen noch wenig vertraut.
- 77 % schätzen ihren praktischen Umgang mit den Anlagen als unsicher ein.
- 88 % haben nur selten oder nie die Möglichkeit, reale Störungen selbstständig zu analysieren.
- Ebenfalls 88 % fühlen sich beim Verständnis von Prozesszusammenhängen nicht ausreichend vorbereitet.
Als größte Herausforderungen nennen die Auszubildenden den fehlenden Zugang zu realen Anlagen, zu wenige praktische Fehlerfälle sowie Zeitmangel im Ausbildungsalltag. Gerade das Verständnis komplexer Prozesse und die systematische Fehlersuche lassen sich unter realen Produktionsbedingungen häufig nur eingeschränkt vermitteln.
Wertvolle Erkenntnisse für die Mitgliedsunternehmen
Die Umfrage liefert nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern bietet den Mitgliedsunternehmen von Silicon Saxony eine wichtige Orientierung für die Weiterentwicklung ihrer Qualifizierungsstrategien.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass moderne Ausbildung zunehmend vor neuen Herausforderungen steht: Produktionsanlagen sind hoch ausgelastet, Sicherheitsanforderungen steigen und praktische Übungsmöglichkeiten sind begrenzt. Digitale Lernformate können diese Lücke sinnvoll schließen, indem sie praxisnahe Trainings ermöglichen, ohne in laufende Produktionsprozesse einzugreifen.
Unternehmen profitieren langfristig von besser vorbereiteten Fachkräften, einer höheren Handlungssicherheit im Arbeitsalltag sowie kürzeren Einarbeitungszeiten. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse den Bedarf, innovative Ausbildungsformate frühzeitig in die betriebliche Qualifizierung zu integrieren.
Hohe Akzeptanz digitaler Lerntechnologien
Die Befragung zeigt außerdem, dass digitale Lernangebote bei den Auszubildenden bereits auf große Offenheit stoßen: 96 % haben bereits Erfahrungen mit Virtual Reality, Simulationen oder digitalen Lernspielen gesammelt.
Die Rückmeldungen machen jedoch deutlich, dass virtuelle Lernwelten nicht als Ersatz, sondern als wertvolle Ergänzung zur praktischen Ausbildung verstanden werden. Besonders dort, wo reale Anlagen nicht jederzeit verfügbar sind oder komplexe Fehlerbilder nur selten auftreten, können VR-Anwendungen einen entscheidenden Mehrwert schaffen.
Gemeinsam neue Bildungsformate entwickeln
Genau hier setzt das Projekt VIP – Virtuelles Praktikum Vakuumtechnologie an. Gemeinsam entwickeln qfmd GmbH und Silicon Saxony immersive VR-/XR-Lernszenarien, mit denen typische Prozessabläufe, Wartungsarbeiten und Störungssituationen realitätsnah trainiert werden können.
Das Projekt versteht sich als gemeinsamer Innovationsbaustein für die Fachkräftesicherung in der europäischen Halbleiterindustrie. Es schafft nicht nur neue Lernformate für Auszubildende, sondern liefert zugleich datenbasierte Erkenntnisse, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Mit Projekten wie VIP stärkt Silicon Saxony gemeinsam mit seinen Partnern die Innovationskraft des Halbleiterstandorts Sachsen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung der Fachkräfte von morgen.
👉 Mehr Informationen zum Projekt unter: https://www.qfmd.de/vip-projekt/