
Wie erfolgreich sind IT-Transformationen wirklich? Was sind die wichtigsten Ziele und die zentralen Erfolgsfaktoren, und welche Herausforderungen gibt es? Welche Empfehlungen folgen daraus? Das wollten das SAP-Beratungshaus NTT DATA Business Solutions und der IT-Dienstleister Natuvion herausfinden.
Für die „Transformationsstudie 2026“ befragten sie dazu Anfang dieses Jahres mehr als 1.100 Fach- und Führungskräfte aus 15 Ländern. Die CEOs, CIOs sowie IT- und Transformationsverantwortlichen aus mittelständischen bis großen Unternehmen waren in den vergangenen zwei Jahren alle an einer IT-Transformation beteiligt.
Der Untertitel der Studie „Was Führungskräfte gerne früher gewusst hätten“ weist darauf hin: Die Studie soll den Verantwortlichen dabei helfen, Transformationsprojekte strukturiert zu planen, dabei typische Fallstricke zu vermeiden und individuelle Ziele effizient zu erreichen.
KI statt Kostenreduktion als Motivation für IT-Transformation
Warum starten Unternehmen ein Transformationsprojekt? Wenn man die Studien der vergangenen vier Jahre vergleicht, zeigt sich ein deutlicher Wandel bei den Zielen von IT-Transformationen. Während 2023 noch Kostenreduktion, organisatorische Anpassungen und Restrukturierungen im Mittelpunkt standen, richten Unternehmen den Fokus heute zunehmend auf Zukunftsfähigkeit, Innovationskraft und technologische Modernisierung.
Mit Künstlicher Intelligenz (KI) ändert sich vieles, auch die Beweggründe für digitale Transformationen in Unternehmen. Mit 60 Prozent ist die Einführung neuer, moderner Technologien, insbesondere von KI, in der aktuellen Studie der mit Abstand wichtigste Treiber digitaler Transformationsprojekte.
„Die Transformationsstudie 2026 zeigt, dass KI immer mehr zum entscheidenden Taktgeber der Unternehmensentwicklung wird“, sagt Norbert Rotter, CEO NTT DATA Business Solutions.
„Die Unternehmen, die KI jetzt strategisch verankern, stärken ihre Effizienz und sichern sich den geschäftlichen Vorsprung von morgen.“, so Norbert Rotter, CEO NTT DATA Business Solutions.
Auf den Plätzen zwei und drei folgen die „Steigerung der Innovationsfähigkeit“ mit 46,5 Prozent und die „Flexibilisierung“ von Organisation und IT mit 42,2 Prozent aller Nennungen. „Unternehmen, die Transformation nicht konsequent mit einer klaren Innovations- und KI-Agenda verknüpfen, laufen Gefahr, strukturell ins Hintertreffen zu geraten“, so die Autoren der Studie.
Klassische Kostensenkungsziele hingegen rangieren lediglich auf Platz fünf. „Früher haben Unternehmen ihre IT transformiert, um Kosten zu senken. Heute transformieren sie, um Zukunft zu gewinnen“, fasst Holger Strotmann, CEO Natuvion, zusammen.
Das „KI-Paradoxon“
Dabei weist die Studie auf ein „KI-Paradoxon“ genanntes Phänomen hin. KI wird zum wichtigsten Treiber von Transformationen, gleichzeitig zählen die Voraussetzungen für erfolgreiche KI-Initiativen zu den größten Herausforderungen der Transformation. Denn ohne belastbare Daten- und Systembasis keine erfolgreiche KI-Nutzung.
Themen wie Datenqualität, Transparenz über die eigenen Datenbestände, regulatorische Anforderungen und Governance sind zentrale Voraussetzungen für KI und digitale Geschäftsmodelle. Genau sie werden laut Studie bei Transformationsprojekten aber am häufigsten unterschätzt.
Was hat Teilnehmende am meisten überrascht?
Insbesondere die mangelnde Datenqualität ist ein Problem. 26,4 Prozent der Befragten nennen sie als „unerwartete Herausforderung“ im Transformationsprozess. Dabei muss man wissen, dass die Qualität der Daten seit dem Start der Studie 2022 stets den ersten Platz belegt. Die „Erfüllung regulatorischer Anforderungen“ rangiert auf dem zweiten Platz (23,9 Prozent), gefolgt vom Punkt „Testmanagement“ (23,5 Prozent).
Mit unerwarteten Herausforderungen müssen Unternehmen in IT-Transformationsprojekten, die in der Regel ein bis zwei Jahre dauern, rechnen. Denn diese, so stellen die Autoren fest, sind in der Praxis komplex, verlaufen dynamisch und oft anders als ursprünglich geplant. Deshalb sind diejenigen im Vorteil, die auf Hindernisse flexibel reagieren und in der Lage sind, im Projektverlauf Anpassungen innerhalb ihrer Migrationsmethodik vorzunehmen.
Flexibilität als Erfolgsfaktor
Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr gefragt, ob die ursprünglich gewählte Migrationsmethode während des Transformationsprozesses angepasst werden musste. Das Ergebnis: 71 Prozent der befragten Unternehmen haben während des Transformationsprozesses teilweise oder substanzielle Veränderungen innerhalb ihrer Migrationsmethodik vorgenommen, 26,5 Prozent haben die Methodik sogar grundlegend verändert. Auffällig: Selbst bei Greenfield-Migrationen kam es zu 83,4 Prozent zu einem Wechsel oder einer Anpassung der Methodik.
Dabei wurde aber auch deutlich, so die Autoren, dass nicht die ursprüngliche Wahl der Methodik über den Erfolg entscheidet, sondern die Fähigkeit, diese entlang der tatsächlichen Projektanforderungen weiterzuentwickeln.
In Time und Budget?
Alle Experten wissen: IT-Transformationsprojekte sind hochkomplex und sie reißen weiterhin oft die zu Beginn gesteckten Ziele. Laut Studie überschreiten 82,2 Prozent der Unternehmen ihr Budget und 79,5 Prozent ihren Zeitplan. Die Autoren raten deswegen zu „realistischer Planung, ausreichend Puffer und einem belastbaren Projektsetup.“
Dabei planen Unternehmen ihre Transformationen der Studie zufolge heute realistischer als noch vor einigen Jahren: Ein Zeitraum von ein bis zwei Jahren etabliert sich zunehmend als Standard für große Vorhaben. In der IT-Transformationsstudie geben fast 64 Prozent der Befragten an, dass sie für ihre Transformation mehr als ein Jahr angesetzt hatten, wobei der Großteil von 44 Prozent mit ein bis zwei Jahren plante. 19,8 Prozent planten über zwei Jahre, 5,3 Prozent über vier Jahre.
Wie viel Budget haben die Befragten für die Transformation eingeplant? Im vergangenen Jahr lagen die meisten Unternehmen (18 Prozent) bei einem Gesamtbudget von 5 bis 10 Millionen Euro. Diese Summe hat sich in diesem Jahr weiter erhöht: Am häufigsten (20,2 Prozent) wurde diesmal mit einem Budget zwischen 10 und 20 Millionen Euro geplant. Der Großteil der IT-Transformationen liegt in der Spanne zwischen 5 bis 50 Millionen Euro (52,7 Prozent).
Was wurde am meisten unterschätzt?
Welche Themen wurden im Zuge der Transformation am meisten unterschätzt? Auf dem ersten Platz liegt hier das Testing (32,4 Prozent), knapp vor der technischen Umsetzung (32,3 Prozent). Während die technische Umsetzung bereits in den Vorjahren als größte Herausforderung wahrgenommen wurde, hat das Testing deutlich an Relevanz gewonnen und ist vom vierten Platz an die Spitze gerückt.
Auf dem dritten Platz befindet sich mit 30,3 Prozent die Projektplanung, auf dem vierten Platz kommt mit 29,6 Prozent die Organisation der Kommunikation zwischen Abteilungen und Unternehmensbereichen.
Externe Einflussfaktoren
In der aktuellen Studie wird auch deutlich, dass geopolitische und wirtschaftspolitische Entwicklungen wie Strafzölle und Kriege seit der Durchführung der letzten Studie immer stärker auf die Unternehmen einwirken. 94,8 Prozent der Befragten gaben an, dass diese Entwicklungen auch die Transformation beeinflusst hätten.
An erster Stelle mit 72,1 Prozent der Nennungen wurden dabei Anforderungen an die Daten- oder Technologiesouveränität genannt. 44,6 Prozent gaben geopolitische Spannungen oder Sicherheitsaspekte an, die die Transformation beeinflusst hätten. 44,3 Prozent nannten als externen Einflussfaktor die Energie- und Industriepolitik.
Was sind die Erfolgsfaktoren?
Auch zu den zentralen Erfolgsfaktoren eines IT-Transformationsprojekts gibt die Studie Auskunft: Mit 35,2 Prozent der Nennungen kommt „Transformations-Know-how“ auf Platz Eins, dicht dahinter folgt mit 34,4 Prozent die „Transparenz über alle relevanten Daten“ und mit 32,1 Prozent die „Kontinuität im Projektteam“.
Und was würden die Teilnehmenden im Transformationsprozess zukünftig anders machen? In diesem Jahr gab es dabei erstmals auch den Aspekt KI als Antwortoption, die auf Anhieb auf den ersten Platz kam: 34,2 Prozent der Befragten würden künftig verstärkt auf den Einsatz von KI setzen.
Knapp dahinter folgt mit 32,3 Prozent der Wunsch, den Fokus stärker auf die kritischsten Prozesse nach der Migration zu legen. Mit 32,1 Prozent fast gleichauf liegt die Optimierung der abteilungsübergreifenden Kommunikation. 30,1 Prozent würden mehr in Datenqualität investieren.
„Erfolgreiche IT-Transformationen gelingen vor allem dort, wo strategische Zielsetzung, saubere Daten, realistische Planung, robuste Methodik und konsequentes Change-Management ineinandergreifen“, schreiben die Autoren. Die Transformationsstudie 2026 soll dazu beitragen, sich der Herausforderungen bewusst zu sein, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen und von anderen zu lernen, um es dann besser zu machen. 2027 wird es die nächste Transformationsstudie geben.
– – – – –
Weiterführende Links
👉 www.sap.com
👉 Zur Studie
Grafik: NTT DATA