ENCCC-Jahrestagung: Stärkung des europäischen Halbleiternetzwerks
Am 5. und 6. Februar brachte die erste ENCCC-Jahrestagung alle 30 europäischen Chips Competence Centres (CCCs) in Brüssel zusammen – gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Chips Joint Undertaking (Chips JU), von Pilotlinien, der EU Chips Design Platform, Industrieverbänden sowie zentralen Ökosystempartnern.
Das Treffen fand im Rahmen des ECS Brokerage Events statt, das von Chips JU in Zusammenarbeit mit den drei Industrieverbänden AENEAS, EPoSS und INSIDE – welche auch assoziierte Partner aCCCess sind – organisiert wurde. Erstmals kam das gesamte CCC-Netzwerk zusammen, um auf das erste Jahr zurückzublicken und die Prioritäten für die nächste Phase abzustimmen.

Rückblick auf das erste Jahr
Das Programm begann mit Beiträgen von Chips JU und aCCCess. Nach einleitenden Worten von Dr. Jari Kinaret, Executive Director von Chips JU, stellte Régis Hamelin (BLUMORPHO), Koordinator von aCCCess, den Projektverlauf des ersten Jahres vor. Er hob hervor, wie die Coordination and Support Action (CSA) die Etablierung des ENCCC unterstützt, den strukturierten Austausch zwischen den Zentren ermöglicht und die Entwicklung gemeinsamer Rahmenbedingungen in Europa fördert.
Katharina Neubert und Matthias Künzel (aCCCess | VDI/VDE Innovation + Technik) gaben anschließend einen transparenten Überblick über die Netzwerkleistung. Sie präsentierten KPIs sowie eine 360°-Momentaufnahme der Kompetenzzentren. Ihre Analyse zeigte greifbare Fortschritte auf, identifizierte jedoch auch Bereiche, in denen stärkere Koordination und höhere Sichtbarkeit weiterhin erforderlich sind.
Podiumsdiskussion: Erfahrungen aus der Hochlaufphase

Das erste Panel, moderiert von Michael Leopold (aCCCess | Silicon Alps), brachte Anton Chichkov (Chips JU), Maria Huffman (Swedish Chips Competence Centre), Mariana Fernandes (POEMS – Portugal), Karel Masařík (Czech Semiconductor Centre) und Josephine Vassallo Parnis (Malta Semiconductor Competence Centre) zusammen.
Im Mittelpunkt standen Erfahrungen aus der Anlaufphase, erste Markterfolge und strategische Prioritäten. Die Panelteilnehmenden sprachen offen über administrative Hürden, Herausforderungen bei der Personalgewinnung, komplexes Konsortialmanagement sowie eigentumsbezogene Fragestellungen. Gleichzeitig berichteten sie von starkem Marktinteresse – insbesondere von KMU, die Zugang zu technischem Know-how, gezielten Schulungen und Zugang zu Pilotlinien suchen.
Zu den frühen Erfolgen zählten Inkubationsprogramme für Start-ups, nationale Informationsseminare, industrie–akademische Arbeitsgruppen sowie eine wachsende grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Dies verdeutlicht, dass das CCC-Modell zunehmend operative Dynamik entwickelt.
CCC-Pitch-Session: Erste Ergebnisse und praktische Einblicke
In der CCC-Pitch-Session, moderiert von Eda Çığ Türktaş (aCCCess | Silicon Saxony), präsentierten Zentren aus Dänemark, Irland, Finnland, Spanien, Flandern, den Niederlanden, Deutschland und Estland kurze Erfahrungsberichte aus ihren ersten Aktivitätsmonaten.
Die Beiträge behandelten Kooperationsmodelle, praktische Herausforderungen bei der effizienten Unterstützung von Unternehmen sowie Strategien zur Überwindung struktureller Barrieren durch abgestimmte Teamarbeit. Hervorgehoben wurden die Einbindung von KMU, Unterstützungsformate für Start-ups, neue Schulungsangebote sowie serviceorientierte Portfolios entlang industrieller Bedarfe. Der Austausch zeigte, wie strukturierte Peer-Learning-Formate zwischen den Zentren die Wirkung auf europäischer Ebene beschleunigen können.
Stärkung der Integration entlang der Wertschöpfungskette
Das abschließende Panel, moderiert von Alessandro Dondo (aCCCess | MESAP), nahm eine zukunftsorientierte Perspektive auf die Integration der Wertschöpfungskette ein. Betont wurden insbesondere:
- stärkere operative Synergien zwischen CCCs und Pilotlinien
- klarere und vereinfachte Zugangspunkte für Unternehmen
- koordinierte europäische Kompetenz- und Qualifikationsentwicklung
- eine tiefere Vernetzung innerhalb des Halbleiter-Ökosystems
Wertvolle Impulse lieferten Giuseppe Fiorentino (NanoIC), Helio Fernandez Tellez (EuroCDP), Robert Gfrerer (AT-C³), Janis Sperga (LCCC) und Elisabeth Steimetz (EPoSS).

Praktischer Austausch und Peer-Abstimmung
Der zweite Tag stand im Zeichen der praxisnahen Zusammenarbeit. Parallele CCC-zu-CCC-„Speed-Dating“-Sessions sowie die ersten Review-Meetings der Zentren ermöglichten gezielte bilaterale Gespräche, Peer-Learning und konstruktives Feedback. Diese Formate stärkten das gegenseitige Verständnis und förderten die weitere Abstimmung der Aktivitäten im Netzwerk.
Über beide Tage hinweg wurde deutlich: Nachhaltige Zusammenarbeit, geteilte Expertise und koordiniertes Handeln sind unverzichtbar für den Aufbau eines resilienten und zugänglichen europäischen Halbleiter-Ökosystems.
Die ENCCC-Jahrestagung markierte einen wichtigen Meilenstein dieses gemeinsamen Vorhabens und schuf eine starke Grundlage für die weitere Reifung und Integration des Netzwerks.
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Weiterführende Links
👉 www.acccess.eu
Fotos: Silicon Saxony und Simon Pugh