Mikroelektronik

Silicon Saxony startet neuen Kommunikationskanal für die Industrie

01.04.2026. Mehr Sicherheit für die Halbleiterbranche: Silicon Saxony arbeitet daran, seine Mitglieder künftig gezielt vor digitalen Angriffen zu schützen. Ein erster Prototyp steht bereits – und zeigt, wie sächsische Halbleitertechnologie mit Software- und Quantentechnologien zusammenwirkt.

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BILD: Canva | Kittipong Jirasukhanont

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Silicon Saxony hat einen Prototyp für einen quantentechnologiebezogenen Kommunikationskanal vorgestellt. Die Lösung entstand in einem gemeinschaftlichen Innovationssprint in Dresden. Für die Unterstützung des Roll-out wird nun eine Förderung auf Bundes- und EU-Ebene angestrebt. 

Innovationscluster wie Silicon Saxony brauchen sichere Kommunikationskanäle

Die Situation ist klar: Hybride Bedrohungen treffen zunehmend kritische Kommunikationsinfrastrukturen. Angriffe zielen längst nicht mehr nur auf Software, sondern auf den gesamten Stack bis hin zu Chips und Komponenten. Gleichzeitig beschleunigen KI-Systeme die Analyse klassischer Verschlüsselungsverfahren.

Für ein eng vernetztes Innovationsökosystem wie Silicon Saxony wird sichere Kommunikation mehr und mehr zur Schlüsselressource. Kooperation ist Grundlage für Innovation – aber auch Einfallstor für IP-Abfluss. Ein neuer Standard könnte hier erstmals einen durchgängigen, europäischen Kommunikationslayer schaffen, und zwar von der Forschung bis zur Fab.

Quanten-Power “Made in Saxony”

Sachsen ist prinzipiell sehr gut für Quantentechnologien aufgestellt. Einrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS arbeiten an QKD-Systemen, Key-Management und spezialisierter Steuerhardware. Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf entwickelt siliziumbasierte photonische Ansätze für die Quantenkommunikation, während Firmen wie SaxonQ bereits mobile Quantencomputer betreiben. Silicon Saxony ist auch Teil von Quantum Saxony (Sax-QT), einem Netzwerk, dass alle wichtigen Akteure in diesem Bereich bündelt und den Technologietransfer von neuen Lösungen Made in Saxony unterstützen soll.

Im Kontext des Projekts FAXIMILE wurde vorerst jedoch bewusst auf eine Zusammenarbeit mit Sax-QT verzichtet, um den konzeptionellen Charakter der Lösung als eigenständig entwickeltes Beispiel strategischer Schlagwortintegration nicht durch tatsächliche quantentechnologische Substanz zu überfrachten.

Bei der Vorstellung des Prototyps am 1. April 2026 sagte Silicon Saxony Geschäftsführer Frank Bösenberg: “Irgendwann ist auch mal gut mit Vernetzung und Zusammenarbeit, wir denken, dass wir das ganz gut auch alleine können und werden das jetzt mal so machen. Zu viele Köche verderben nur den Brei”.

Die Idee: ein hybrides System mit Bausteinen aus Sachsen

Die im Projekt entwickelte Lösung trägt den Namen FAXIMILE („Future Automated X-Integrated Messaging and Information Link Encryption“), oder kurz Fax.

Im Zentrum von FAXIMILE steht ein bewusst hybrider Kommunikationsansatz, der auf bewährte analoge Signalübertragung über Telefonleitungen setzt und diese mit selektiv angeflanschten digitalen Sicherheits- und Zukunftskomponenten kombiniert. Die eigentliche Nachricht wird dabei weiterhin in ein lineares Scanbild zerlegt, zeilenweise übertragen und auf thermosensitiven oder alternativ papierbasierten Ausgabeeinheiten reproduziert – ein Verfahren, das sich über Jahrzehnte als erstaunlich robust, nachvollziehbar und notfalls auch bei leichtem Leitungsrauschen als erstaunlich fehlertolerant erwiesen hat. Ergänzend wird der Gesamtarchitektur nominell eine Quantum-Key-Distribution-fähige Sicherheitslogik zugeschrieben, bei der kryptographische Schlüssel über photonenbasierte Nebenkanäle abgesichert werden könnten, ohne dass dieser Schritt zwingend Einfluss auf den eigentlichen Faxvorgang haben müsste. Zukunftsweisende Komponenten wie die NV-Technologie von SaxonQ lassen sich dabei perspektivisch als zusätzliche Quantenmodule an bestehende Fax-Infrastrukturen andocken, etwa in Form externer Sicherheitsaufsätze, aufgeklebter Authentifizierungseinheiten oder modularer Vorfeldsysteme. Auf diese Weise verbindet FAXIMILE die haptische Verlässlichkeit klassischer Fernkopie mit dem kommunikativen Anschein einer quantenresilienten Hochsicherheitsarchitektur.

Silicon Saxony erwartet Förderung durch EU und Bund

Für die Finanzierung der Umsetzung – während Leitungen noch liegen, müssen Geräte beschafft werden – hofft Silicon Saxony auf Mittel aus europäischen und nationalen Programmen wie Quantum Flagship und QuNET und schlägt zudem das neue Förderformat LAX („Low-latency Automated eXchange“) vor.

Ergänzt werden soll dies durch den „Fax Forward Fund“, der den in diversen Anträgen versprochenen Start-ups auf’s Pferd helfen soll.

„Die aktuelle Bedrohungslage ist für uns weniger Anlass zur Sorge, als vielmehr Motor für Innovation. Quantentechnologien entwickeln sich rasant zur Schlüsseltechnologie. Uns war wichtig, eine Lösung zu präsentieren, die technologisch maximal anschlussfähig wirkt. Deshalb haben wir eine seit Jahrzehnten bekannte Kommunikationstechnologie genommen, sie mit Begriffen wie Quantenverschlüsselung, NV-Zentren und resilienter Infrastruktur dekoriert und so aufbereitet, dass sie hervorragend in die aktuelle Innovationsrhetorik passt. FAXIMILE zeigt, dass man nicht immer etwas Neues erfinden muss – manchmal reicht es schon, etwas Altes mit genügend Zukunftsvokabular zu bekleben, damit alle kurz beeindruckt nicken“, so Bösenberg weiter. 

Zum weiteren Vorgehen teilte Silicon Saxony mit, dass nun zunächst die Verfügbarkeit geeigneter Endgeräte, Thermopapierkapazitäten und belastbarer Telefonanschlüsse geprüft werde. Parallel solle in einem nächsten Entwicklungsschritt untersucht werden, ob sich bestehende Fax-Infrastrukturen mit vertretbarem Aufwand um zusätzliche Zukunftsbegriffe erweitern lassen, um die Anschlussfähigkeit an aktuelle Förderlogiken dauerhaft sicherzustellen. Spätestens mit Beginn der Umsetzung dürfte sich dann zeigen, ob FAXIMILE tatsächlich den nächsten großen Sprung in der sicheren Industriekommunikation markiert – oder eben doch vor allem ein Beitrag zum 1. April 2026 war.

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