
„Cyberkriminelle nutzen alle technischen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Und Künstliche Intelligenz macht Betrug leichter und glaubwürdiger. Eine vertraute Stimme oder ein echt wirkendes Video schaltet bei vielen das Misstrauen zumindest im ersten Moment aus, genau darauf setzen die Täter“, sagt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. „Wer einen schockierenden oder ungewöhnlichen Anruf oder eine dringende Zahlungsaufforderung bekommt, sollte immer über einen zweiten Kanal nachfragen, bevor er handelt.“
Schadsoftware löst Online-Betrug als häufigste Masche ab
Doch so stark neue Betrugsmaschen wie Deepfakes zunehmen, die meisten Opfer trifft es weiterhin mit altbekannten Methoden. An der Spitze stehen Schadprogramme wie Viren, mit denen bei 32 Prozent Computer oder Smartphones infiziert wurden. Es folgen Betrug beim Online-Einkauf (29 Prozent) und Phishing per Mail, Kurznachricht oder Telefon (21 Prozent), die beide seltener geworden sind.
Bei 14 Prozent wurden Zugangsdaten zu Online-Diensten wie sozialen Netzwerken oder Shopping-Seiten ausspioniert. 9 Prozent berichten, dass sich jemand im Internet unter ihrem Namen ausgegeben hat, 6 Prozent wurden Kontodaten oder Kreditkarten gestohlen und missbraucht. „Zugangsdaten und digitale Identitäten sind für Kriminelle bares Geld wert. Wer einmal Zugriff auf ein E-Mail-Konto hat, kann von dort aus weitere Konten übernehmen, im Namen des Opfers Waren bestellen oder Freunde und Familie täuschen“, sagt Dehmel. „Ein einzigartiges, starkes Passwort für jeden Dienst und die Zwei-Faktor-Authentifizierung oder auch neue Lösungen wie Passkeys sind der wirksamste Schutz.“
Neben Deepfakes setzen Kriminelle auch auf andere neue Methoden, etwa mit gefälschten QR-Codes, die auf betrügerische Webseiten führen. 5 Prozent sind so in die Falle gelockt worden. Vergleichsweise selten sind Betrug beim Online-Verkauf (4 Prozent) und Ransomware-Angriffe, bei denen Daten verschlüsselt und Lösegeld gefordert wird (3 Prozent). Nur 1 Prozent berichtet von unberechtigter Nutzung des Online-Banking-Zugangs. Zudem werden Menschen im Netz auch persönlich angegangen: 6 Prozent wurden sexuell belästigt, 4 Prozent bedroht.
Im Schnitt 233 Euro Schaden
Die unterschiedlichen Angriffsarten haben eine gemeinsame Folge: finanzielle Verluste. 58 Prozent der Betroffenen ist durch Cyberkriminalität ein persönlicher finanzieller Schaden entstanden. Bei weiteren 5 Prozent haben Händler, Bank oder Versicherung den Schaden übernommen. Im Schnitt entstand den Betroffenen ein Schaden von 233 Euro.
Wenige Opfer gehen zur Polizei
Nach einem Vorfall werden die meisten zunächst selbst aktiv: 45 Prozent der Betroffenen haben ihr Passwort oder andere Sicherheitsinformationen geändert, 17 Prozent ihren Account bei der betroffenen Plattform gelöscht oder gekündigt. 42 Prozent haben das Gespräch mit Freunden oder Familie gesucht. An externe Stellen wenden sich Betroffene seltener: 36 Prozent an das Unternehmen, dessen Plattform für die Tat genutzt wurde, 13 Prozent an Behörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), 8 Prozent an einen Rechtsanwalt. Strafanzeige bei der Polizei hat mit 19 Prozent nur knapp ein Fünftel der Betroffenen erstattet, vor einem Jahr waren es noch 26 Prozent. 18 Prozent haben gar nicht reagiert.
Auch die Erfahrungen derjenigen, die Anzeige erstatten, sind häufig ernüchternd. Bei 22 Prozent wurde das Verfahren eingestellt, 27 Prozent sagen, die Anzeige habe aus ihrer Sicht nichts gebracht. Bei weiteren 22 Prozent läuft das Verfahren noch, 15 Prozent haben bisher gar keine Rückmeldung erhalten. Positive Erfahrungen sind seltener: 19 Prozent haben hilfreiche Informationen oder Unterstützung erhalten, 13 Prozent hatten das Gefühl, dass ihr Fall ernst genommen wurde. 6 Prozent haben ihr Geld oder ihre Daten zurückbekommen, aufgeklärt wurde der Fall nur bei 2 Prozent. „Jede Tat, die nicht angezeigt wird, fehlt im Lagebild, und Täter, die nicht verfolgt werden, machen weiter“, sagt Dehmel. „Polizei und Justiz müssen personell und technisch so ausgestattet sein, dass aus Anzeigen auch Ermittlungserfolge werden.“
Häufig fehlt schon die Orientierung. Unverändert 54 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer wissen nicht, an wen sie sich nach einem Cyberangriff wenden können. Von Polizei und Politik erwarten die Menschen mehr: 87 Prozent wünschen sich mehr Präsenz der Polizei im digitalen Raum, 86 Prozent höhere Strafen für Cyberkriminalität.
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Grafik: Bitkom