
ISAC gilt als eine der Schlüsseltechnologien von 6G. Dabei dienen Mobilfunknetze nicht mehr ausschließlich der Kommunikation, sondern können gleichzeitig ihre Umgebung erfassen. So lassen sich ohne technischen Mehraufwand beispielsweise Fahrzeuge erkennen, Drohnen orten, Produktionsanlagen überwachen oder Rettungseinsätze unterstützen.
Mit den neuen Möglichkeiten entstehen jedoch auch neue Herausforderungen. Anders als heutige Mobilfunkanwendungen könnten künftige Netze Bewegungen oder andere Informationen über Personen erfassen, ohne dass diese aktiv ein Endgerät nutzen. Im aktuellen Beschluss der Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder wird deshalb gefordert, Datenschutz und Grundrechtsschutz bereits bei der Entwicklung der Technologie mitzudenken.
Genau daran arbeiten Forschende des Barkhausen Instituts seit Jahren. Sie entwickeln technische Verfahren, mit denen sich die Sensorfunktionen von ISAC in Kommunikationsnetzen kontrollieren, absichern und transparent gestalten lassen. Ziel ist es, Datenschutz nicht nachträglich zu ergänzen, sondern bereits von Anfang an in die technischen Grundlagen der zukünftigen Mobilfunknetze zu integrieren. Dieser Ansatz wird auch „Privacy by Design“ genannt.
Aus dieser Forschung sind bereits erste Konzepte entstanden. So entwickelten die Forschenden einen An-/Ausschalter, den Smartphonehersteller künftig in ihre Geräte integrieren könnten. Damit ließe sich die Sensorfunktion des Smartphones vollständig deaktivieren, während die Kommunikation weiter möglich bleibt. Außerdem entstand eine prototypische App, die Nutzerinnen und Nutzer darüber informiert, ob an ihrem aktuellen Standort Sensing stattfindet. Darüber hinaus entwickelt das Barkhausen Institut Konzepte und Empfehlungen für den Aufbau zukünftiger Mobilfunknetze, damit ISAC datenschutzgerecht möglich wird. Dabei geht es beispielsweise darum, nur die tatsächlich notwendigen Daten zu verarbeiten und sicherzustellen, dass ausschließlich berechtigte Stellen darauf zugreifen können.
„ISAC bietet enormes Potenzial – von der intelligenten Mobilität bis zur industriellen Automatisierung. Unser Ziel ist es, diese neue Technologie so zu gestalten, dass ihre Vorteile genutzt werden können, ohne neue Risiken für Datenschutz und Privatsphäre zu schaffen“, sagt Dr. Stefan Köpsell, Datenschutzexperte am Barkhausen Institut.
Die Dresdner Forschenden bringen ihre Ergebnisse auch in internationale Standardisierungsgremien ein. Gemeinsam mit Partnern wirken sie unter anderem an Arbeiten des European Telecommunications Standards Institute (ETSI) mit, das derzeit Grundlagen für den zukünftigen 6G-Standard entwickelt. Im September 2026 treffen sich internationale Expertinnen und Experten am Barkhausen Institut, um die Themen Datenschutz, Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit für ISAC weiterzuentwickeln.
Das Barkhausen Institut wurde 2017 mit dem Auftrag gegründet, Vertrauenswürdigkeit in einer vernetzten Welt zu erforschen. Die aktuelle Debatte um Datenschutz bei 6G zeigt, wie relevant dieser langfristige Forschungsansatz heute ist. Damit daraus kein Risiko für Grundrechte wird, braucht es Forschung, die technische Innovation und Datenschutz gemeinsam denkt.
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Weiterführende Links
👉 www.barkhauseninstitut.org
Foto: Barkhausen Institut (KI generiert)