Mikroelektronik

#64: Japan-Update: Fujitsu, Rapidus & TSMC/JASM, Intels 14 Milliarden Buy Back, Nvidia investiert in Marvell

Außerdem in dieser Folge: Die 30 am stärksten finanzierten Halbleiter-Start-ups, Infineon Startup Challenge, kurzes Helium Update

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Die wichtigsten News, Trends und Entwicklungen der nationalen und internationalen Halbleiterindustrie – kompakt, prägnant und verständlich aufbereitet. Das ist „What’s Chippening“, der News-Podcast aus dem Herzen der europäischen Mikroelektronik, dem Silicon Saxony.

In der Folge vom 4. April 2026 (aufgezeichnet am 3. April 2026, 16:30 Uhr) geht es um diese Themen:

Japan-Updates: Fujitsu fertigt KI-Beschleuniger bei Rapidus & TSMC verschärft Japan-Strategie mit 3 nm-Fertigung

Japan treibt seine Ambitionen in der Spitzentechnologie an mehreren Fronten voran. Im Zentrum steht ein geplantes Vorhaben von Fujitsu, einen KI-Beschleuniger im 1,4-nm-Prozess mit Rapidus in Japan designen und fertigen zu lassen. Dabei geht es nach den vorliegenden Berichten nicht um einen klassischen GPU-Chip, sondern um einen dedizierten KI-Prozessor für Inferenz in Rechenzentren und verwandten Systemen. Fujitsu bringt dafür vor allem Erfahrung aus der Supercomputer-, Server- und HPC-Welt ein.

Der aktuelle Stand zeigt jedoch vor allem ein strategisches Entwicklungsprogramm und noch kein abgesichertes Volumenprojekt. Für das Vorhaben wird ein initialer Entwicklungsaufwand von 58 Milliarden Yen genannt, von denen NEDO rund zwei Drittel tragen soll. Zusätzlich wird eine zweite Fabrik in Hokkaido als Teil der Roadmap genannt, deren Bau ab 2027 beginnen könnte, um ab 2029 1,4-nm-Produkte zu ermöglichen. Damit bleibt das Projekt vorerst vor allem ein industriepolitisch unterstützter Aufbauplan.

Parallel verschärft TSMC seine Japan-Strategie. Ende März genehmigte die taiwanische Regierung offiziell den Einsatz der 3-nm-Technologie für das zweite japanische Werk. Reuters berichtete Anfang April zudem, dass der Start der 3-nm-Produktion in Japan für 2028 geplant ist. Das ist zwar nicht der allerneueste Knoten, zeigt aber deutlich, dass TSMC im japanischen Markt inzwischen ausreichend Kundenbedarf für fortschrittlichere Fertigung sieht.

👉 Fujitsu plans 1.4nm AI chip Japan-based production with Rapidus

👉 Neueste Ankündigung – Focus News – Abteilung für Investitionsüberprüfung des Wirtschaftsministeriums

👉 TSMC rüstet japanisches Werk auf 3-nm-Verfahren auf

Intels 14 Milliarden US-Dollar Buy Back

Intel kauft eine 49-prozentige Beteiligung an der irischen Fab 34 für 14,2 Milliarden US-Dollar zurück und holt sich damit die volle Kontrolle über einen zentralen europäischen Fertigungsstandort zurück. 2024 hatte Apollo diesen Anteil für 11,2 Milliarden US-Dollar übernommen, um Intel mehr finanzielle Flexibilität zu verschaffen. Der jetzige Rückkauf zu einem deutlich höheren Preis ist deshalb vor allem als strategisches Signal zu verstehen.

Finanziert wird der Schritt laut Unternehmen über vorhandene Liquidität und rund 6,5 Milliarden US-Dollar neue Schulden. Damit gewichtet Intel die künftige Bedeutung des Standorts höher als die Vorteile der bisherigen Co-Investment-Struktur. In dieser Größenordnung ist die Rückkehr zu mehr Bilanzrisiko zugleich ein Hinweis auf die Priorität, die der Konzern der eigenen Fertigungsbasis beimisst.

Fab 34 gilt für Intel als Ankerstandort in Europa. Die Fabrik ist eine High-Volume-Fab für Produkte auf Basis von Intel 4 und Intel 3, darunter Core-Ultra- und Xeon-6-Prozessoren. Zugleich ist dort fortschrittliche Fertigung mit EUV-Lithografie verankert. Der Rückkauf ist damit nicht nur ein Finanzgeschäft, sondern auch ein Bekenntnis zu Irland als Kern der europäischen Intel-Produktion.

👉 Intel to Repurchase 49% Equity Interest in Ireland Fab Joint Venture

Nvidia steigt für zwei Milliarden USD bei Marvell ein

Nvidia und Marvell vertiefen ihre Zusammenarbeit im KI-Infrastrukturbereich. Im Kern geht es darum, dass Marvell eigene kundenspezifische Beschleuniger und Netzwerktechnik in die Nvidia-Welt rund um NVLink Fusion integrieren kann. Nvidia stellt dafür die tragenden Elemente der Architektur bereit, darunter CPU-, Netzwerk-, DPU-, Interconnect- und Switch-Komponenten. So entsteht ein semi-custom Modell, das mehr Anpassung erlaubt, ohne das Nvidia-Ökosystem zu verlassen.

Technologisch steht dahinter vor allem die Skalierung großer KI-Systeme. NVLink ist Nvidias Hochgeschwindigkeitsverbindung für den Datenaustausch zwischen GPUs und anderen Chips in leistungsstarken KI- und HPC-Systemen. NVLink Fusion erweitert dieses Konzept, indem auch Drittanbieter-Silizium in eine kompatible Rack-Architektur eingebunden werden kann. Davon profitieren insbesondere Hyperscaler und Cloud-Anbieter, die eigene AI-Beschleuniger oder stark angepasste Infrastrukturen entwickeln.

Besonders relevant ist die Zusammenarbeit bei Silicon Photonics. Mit wachsender Größe von KI-Clustern werden elektrische Verbindungen zunehmend zum Engpass bei Reichweite, Energieverbrauch und Dichte. Marvell bringt hier Kompetenzen in kundenspezifischem Silizium, optischen DSPs, High-Speed-Connectivity und photonischen Technologien ein, die für die nächste Ausbaustufe von KI-Rechenkapazität entscheidend werden.

👉 NVIDIA AI ecosystem expands as Marvell joins forces through NVLink Fusion

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Kurz-News

Die 30 am stärksten finanzierten Halbleiter-Start-ups

Ein Ranking der bis Anfang 2026 am stärksten finanzierten Halbleiter-Start-ups zeigt eine klare Dominanz der USA. Rund zwei Drittel der Unternehmen stammen aus den Vereinigten Staaten. Europa ist mit Graphcore, XMOS und Optalysys aus dem Vereinigten Königreich sowie Axelera AI aus den Niederlanden vertreten, deutsche Start-ups finden sich in der Auswahl nicht.

Auffällig ist auch, wohin das Kapital fließt. Besonders stark finanziert wurden Start-ups in den Bereichen KI-Inferenz, Chiplets, optische Interconnects und spezialisierte KI-Hardware. Hinzu kommen zwei weitere Muster: Die Unternehmen sind durchgängig fabless aufgestellt, und RISC-V bleibt für viele eine strategische Architekturwette. Das unterstreicht die Stärke Europas in Forschung und Ausrüstung, aber auch die weiterhin geringe Zahl groß finanzierter Chip-Start-ups im globalen Maßstab.

👉 Top 30 VC-backed semiconductor startups

Infineon Startup Challenge

Infineon startet die nächste Runde seiner Startup Challenge und setzt dieses Mal auf humanoide Robotik. Gesucht werden Lösungen für virtuelle Haut und Hände, Umgebungserfassung mit Kamerasystemen, Radar oder Mikrofonen, Rückmeldemechanismen mit Laserscannern sowie neue Motorsteuerungstechnologien für Roboterbewegungen. Das Thema Robotik ist damit eng mit zentralen Halbleiterkompetenzen verknüpft.

Gerade in der humanoiden Robotik kommen mehrere strategische Technologiefelder der Halbleiterindustrie zusammen: Sensorfusion, Edge AI, Leistungshalbleiter, Mikrocontroller sowie sichere und echtzeitfähige Systemarchitekturen. Entscheidend sind dabei weniger die mechanischen Hüllen der Roboter als die Qualität ihrer elektronischen Wahrnehmung, Regelung und Energieeffizienz. Die Bewerbung für die Challenge ist noch bis zum 27. Mai möglich.

👉 Humanoid robotics | Infineon Technologies

Kurzes Helium Update

Die aktuelle Heliumlage bleibt für die Halbleiterindustrie ernst. Nach den vorliegenden Berichten betrifft der Ausfall in Katar rund ein Drittel des globalen Heliumangebots. Das ist besonders relevant, weil Helium in der Chipfertigung und in verwandten Hightech-Prozessen als schwer ersetzbares Prozessgas gilt. Hinzu kommt, dass Airgas, die US-Tochter von Air Liquide, im März 2026 für Helium-Lieferverträge Force Majeure erklärt haben soll.

Für die Unternehmen im Silicon Saxony ist das Thema seit den Entwicklungen rund um Ras Laffan eng im Blick. Die Lieferketten werden dort sehr genau und nahezu in Echtzeit beobachtet. Nach der aktuellen Einschätzung ist deshalb keine unmittelbare Heliumkrise am Standort sichtbar, auch wenn eine Absicherung der Versorgung mutmaßlich mit höheren Kosten verbunden sein dürfte. Die Situation bleibt damit angespannt, aber beherrschbar.

👉 Helium-Knappheit trifft Medizin, Chipindustrie – und Kindergeburtstage

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Und sonst so?

Mistral investiert 830 Mio. US-Dollar in Rechenzentrum

Das französische KI-Startup Mistral nimmt einen Kredit in Höhe von 830 Millionen US-Dollar auf, um nahe Paris ein eigenes KI-Rechenzentrum mit Nvidia-GPUs zu errichten. Die Anlage soll vor allem für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle genutzt werden und steht damit für den Versuch, mehr europäische KI-Infrastruktur aufzubauen.

Nach Angaben des Unternehmens sollen 13.800 Nvidia-GPUs zum Einsatz kommen. Reuters nennt das zweite Quartal 2026 als geplanten Zeitpunkt der Inbetriebnahme. Das Vorhaben zeigt damit sowohl den wachsenden Infrastrukturbedarf für KI als auch den hohen Kapitalbedarf für den Aufbau entsprechender Kapazitäten in Europa.

👉 Europäische KI-Autonomie: Mistral investiert 830 Mio. US-Dollar in Rechenzentrum

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