Fachkräfte

Welche Handlungsmöglichkeiten haben Unternehmen, wenn Diskriminierung nicht im Unternehmen, aber im Alltag stattfindet?

Dresden, 29. September: Internationale Fachkräfte erleben Diskriminierung häufig außerhalb des Arbeitsplatzes – z. B. bei der Wohnungssuche oder im Stadt-Erleben. Diese Erfahrungen wirken direkt auf Motivation, Bindung und Arbeitgeberimage zurück. Unser Arbeitskreis Diversity & Inclusion hat beleuchtet, welche Rolle Unternehmen spielen können, auch jenseits klassischer HR-Maßnahmen.

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Zu Beginn haben wir anonym eigene Diskriminierungserfahrungen und Beobachtungen geteilt. Die Beispiele verdeutlichten, wie unterschiedlich persönliche Erfahrungen sein können, und ermöglichten einen guten Einstieg in das Thema aus verschiedenen Perspektiven.

Im Laufe des Arbeitskreises entstand die Erkenntnis, dass insbesondere die Stärkung von Zivilcourage zu einem besseren Miteinander beitragen kann. Die Präventionsabteilung der Polizei bietet dazu Schulungen an, die wohl auch von Unternehmen angefragt werden können (Zentralstelle für polizeiliche Prävention – Polizei Sachsen – sachsen.de). Zivilcourage kann beispielsweise bedeuten, Betroffenen in einer konkreten Situation beizustehen – etwa indem man sich in der Bahn neben die betroffene Person stellt oder setzt und ein Gespräch beginnt. 

Wir hatten zwei Gastbeiträge von Fatema Darbar (InterLokal) und Mercy Mercy-Rethna Victor-Rajakumar (Telekom). Beide leben und arbeiten in Dresden und fühlen sich gut integriert. Fatema teilte dennoch sehr persönliche Erfahrungen und ermöglichte damit einen emotionalen Einstieg in das Thema.

Eine zentrale Erkenntnis für Unternehmen war, stärker anhand konkreter Beispiele aus dem Alltag Betroffener zu sensibilisieren und Möglichkeiten zu schaffen, solche Erfahrungen auch im Unternehmensumfeld zu teilen. Denkbar wären beispielsweise Vertrauenspersonen oder das anonyme Sammeln und Veröffentlichen von Erfahrungsberichten, um andere Mitarbeitende zusätzlich zu sensibilisieren. Betroffene leiden häufig unter dem Erlebten, machen diese Erfahrungen jedoch oft mit sich selbst aus und teilen sie nicht im Unternehmen. Die Sorge vor Wertungen oder davor, dass die Situation heruntergespielt wird, kann sie davon abhalten.

Mercy hatte uns die folgenden Ideen an Aktivitäten vorgetragen:

• Regelmäßige Sensibilisierungs-Workshops zu kultureller Vielfalt, Inklusion und respektvoller Kommunikation anbieten.

• Anti-Rassismus-Trainings sollten Teil der Pflichtschulungen sein. Sie werden in vielen Unternehmen noch nicht als ausreichend wichtig angesehen. Alle Mitarbeitenden sollten mindestens einmal jährlich an einer solchen Schulung teilnehmen.

• Klare Ansprechpersonen schaffen (HR, Vertrauenspersonen, Diversity-Beauftragte), an die sich Mitarbeitende bei Diskriminierung wenden können.

• Deutschlernen und Integration fördern, aber gleichzeitig akzeptieren, dass nicht jede Fachkraft sofort perfekt Deutsch spricht.

• Führungskräfte schulen, damit sie Rassismus und unbewusste Vorurteile erkennen und angemessen darauf reagieren.

Zudem wurde im Rahmen des Austauschs auch das Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC) in Sachsen als Anlaufstelle für Unternehmen genannt. Es ist ein zentraler Akteur im Rahmen des sächsischen Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ (WOS). Das NDC führt im Auftrag und gefördert durch dieses Landesprogramm politische Bildungsarbeit, Projekttage und Beratungen durch, um demokratische Werte zu stärken und Rassismus sowie Diskriminierung abzubauen. Ergänzend sei hier noch Aktion Zivilcourage als Ansprechpartner für Unternehmen genannt.

Autorin: Anne Kartes, Applied Materials GmbH, Leiterin Arbeitskreis Diversity & Inclusion

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