Drei Impulse aus der Praxis
Daniel Röder (Staffbase) eröffnete den fachlichen Teil mit einem Blick in die agentische Softwareentwicklung bei Staffbase. Als Director of Engineering zeigte er, wie KI-Agenten heute bereits entlang des gesamten SDLC eingesetzt werden – und warum der richtige „Engineering Harness“ entscheidend ist, um Qualität und Tempo KI-gestützter Entwicklung abzusichern. Sein Impuls machte deutlich: Der Wandel betrifft nicht nur Tools, sondern auch Rollen, Skills und Engineering Management.

Christoph Kögler (Infineon Technologies) lenkte den Blick auf die Hardware-Seite. Aus seiner Verantwortung für die globale Software-Strategie im Vorstandsbereich Software Transformation berichtete er, wie KI auch die Chip-Entwicklung bei Infineon vorantreibt – mit konkreten Beispielen aus der R&D und praxisnahen Erkenntnissen für den produktiven Einsatz von KI-Tools. Die anschließende Q&A-Runde zeigte großes Interesse daran, wie sich diese Erfahrungen auf andere technische Domänen übertragen lassen.

Paula Ostmann (elevait) rundete die Impulse mit ihrem Vision-to-Act-Framework ab. Als Head of Platform Engineering und promovierte Physikerin brachte sie die organisationale Perspektive ein: Wie müssen Softwareorganisationen gestaltet sein, damit Mensch und Technologie gemeinsam erfolgreich sind? Klarheit, Vertrauen und gemeinsame Ziele waren die Stichworte, die den Übergang zu den Open Spaces vorbereiteten.

Open Spaces: Technik, Organisation, Mensch
Nach den Impulsen ging es in drei parallele Open-Space-Runden mit Fokus auf dem Thema Mensch, Technik und Organisation – moderiert von David Kaminsky (Infineon Technologies) für den Bereich Technik, Tobias Nestler von devboost gemeinsam mit Yvonne Horn zum Schwerpunkt-Thema Organisation und Dr. André Gräning (SAP) zum Faktor Mensch. Die Pinnwände füllten sich schnell mit Fragen, die zeigen, wie tief das Thema in den Teams bereits diskutiert wird:

Technik – Hier ging es unter anderem um KI-Kosten und Tokenverbrauch als neue Steuerungsgröße, die Frage, ob KI-Agenten überhaupt in den Org Chart gehören, und ob klassische Scrum-Regeln in einer Welt mit KI-gestützten Reviews noch passen. Auch die geopolitische Abhängigkeit von Frontier-Modellen – etwa im Fall einer KI-Exportsperre – wurde offen diskutiert.

Organisation – Der Track drehte sich um die Transformation der Entwicklerrolle: Werden Produktteams kleiner? Braucht es spezielle Rollen für die Definition von KI-Leitplanken? Und wie verändert sich das Geschäftsmodell, wenn – wie es eine Gruppe pointiert formulierte – „keiner mehr für Code zahlt“ und der Mehrwert stattdessen im Requirements Engineering entsteht? Ein Satz blieb besonders hängen: die klassische Time-&-Material-Bezahlung „stirbt aus“.

Mensch – Im dritten Raum stand die Frage im Zentrum, welches Urteilsvermögen im „Human Core“ künftig gebraucht wird – gerade dann, wenn Code zunehmend nicht mehr selbst geschrieben, sondern gelesen und bewertet wird. Diskutiert wurde auch, wie der „Kollege KI-Agent“ in Teamstrukturen und Kommunikation eingebunden wird, wie Wissenstransfer zwischen Senior- und Junior-Entwickler:innen in Zukunft funktioniert – und woher die Führungskräfte von morgen kommen, wenn sich Einstiegsrollen verändern. Ein Learning, das viele mitgenommen haben: Jede KI-Engineerin und jeder KI-Engineer braucht künftig auch Leadership-Skills.

Fazit und Ausblick
Die Ergebnis-Pitches am Ende brachten die drei Perspektiven noch einmal zusammen und machten deutlich, dass sich Technik, Organisation und Mensch bei diesem Thema nicht getrennt betrachten lassen. Wer über KI-Agenten in der Softwareentwicklung spricht, spricht zwangsläufig auch über neue Rollen, veränderte Geschäftsmodelle und die Frage, was menschliche Wertschöpfung in einer zunehmend agentischen Arbeitswelt eigentlich ausmacht.

Beim Networking auf der Dachterrasse ging die Diskussion mit über 80 Teilnehmenden bis
weit nach Sonnenuntergang über den Dächern von Dresden weiter. Ein gutes Zeichen für den Auftakt einer Reihe, die genau das leisten soll: das Thema gemeinsam mit der Community weiterzuentwickeln.
Danke an alle Speaker:innen, Moderator:innen, Teilnehmenden und ein Dankeschön auch an die FHD mit Prof. Dr.-Ing. Marius Brade als Gastgeber Location. Wir freuen uns auf die Fortsetzung am 04.11.2026 bei Infineon Technologies.