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SAP: Das autonome Unternehmen im Praxiseinsatz

8. Oktober 2026. Vor fünf Monaten hatte die SAP ihren Kunden versprochen, sie auf ihrem Weg zum KI-gesteuerten, autonomen Unternehmen zu begleiten. Nun hat sie ihr Versprechen eingelöst und auf der SAP Connect in Las Vegas anhand von Demos und Kundenbeispielen gezeigt, wie das autonome Unternehmen in der Praxis aussieht.

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Symbolbild Künstliche Intelligenz. Foto: unsplash

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„Es ist an der Zeit, Ihnen das autonome Unternehmen im Praxiseinsatz zu zeigen. Denn es gibt dafür bereits beeindruckende Kundenbeispiele“, sagte Christian Klein, Chief Executive Officer der SAP, in der Eröffnungsrede zum Auftakt der Veranstaltung.
Christian Klein erinnerte das Publikum daran, dass die SAP das autonome Unternehmen auf der Kundenmesse SAP Sapphire im Mai 2026 als „den Beginn einer neuen Ära“ präsentiert hatte. Seitdem hat die SAP viele Hundert Kunden bei der Implementierung von Joule Work als KI-Benutzeroberfläche für das autonome Unternehmen unterstützt.

Eine neue Benutzeroberfläche für den Einsatz von KI

„Wir stellen Joule Work noch in diesem Monat allen Kunden zur Verfügung“, verkündete Christian Klein, der die Desktop-App als neue Benutzeroberfläche für den Einsatz von KI bezeichnete. Jahrzehntelang hätten Anwender lernen müssen, wie SAP-Lösungen funktionieren – mit Joule Work lernt nun die SAP, wie Menschen arbeiten. „Ab sofort können die über 400 Millionen SAP-Anwender in ihrer eigenen Sprache mit SAP sprechen. Joule Work erledigt dann die Arbeit.“

Christian Klein beschrieb die drei Grundpfeiler, auf denen Joule Work fußt: Dialoge, in denen Benutzer Fragen stellen und Aufgaben an Agenten delegieren, Spaces, in denen Inhalte, Einblicke und freigegebene Dokumente angezeigt werden, und die Lösung Joule Studio, mit der Kunden Joule erweitern oder maßgeschneiderte Agenten für ihre eigenen Prozesse entwickeln können. 

Der umfassende Geschäfts- und Datenkontext der SAP sei hierbei das „Geheimrezept“. Dieser Kontext umfasst den SAP Knowledge Graph, der mehr als sieben Millionen Datenfelder, 50 Millionen Tabellen, über 50.000 öffentliche und private APIs, 400 Datenprodukte und umfangreiches Prozesswissen abbildet. „Darum rät Joule nicht einfach nur“, sagte er.

Die 110.000 Mitarbeitenden der SAP setzen Joule bereits für Hunderttausende von Aufgaben täglich ein. „Wir verzeichnen in zentralen Bereichen wie dem Personalwesen, dem Finanzwesen und der Beschaffung bereits Produktivitätssteigerungen von über 20 %. Bei komplexeren Analyse- und Planungsaufgaben sind die Steigerungsraten sogar noch höher.“

Die SAP Autonomous Suite

Christian Klein ging anschließend auf die SAP Autonomous Suite ein, die die zweite Ebene des autonomen Unternehmens bildet. Die Suite deckt zunächst die fünf Bereiche Finanzwesen, Beschaffung, Lieferkette, Personalwesen und Kundenerlebnis ab. Die SAP Autonomous Suite sei für Aufgaben konzipiert, bei der eine gute Antwort nicht genügt, sondern es stets auf „die richtige Antwort“ ankommt, führte er aus.

„LLMs beruhen auf Wahrscheinlichkeiten und geben deshalb nur die Antwort, die am wahrscheinlichsten ist“, so Christian Klein. Diesem probabilistischen Ansatz stellte er die integrierten Agenten der SAP gegenüber. Da die Agenten innerhalb deterministischer Anwendungs-Workflows operieren, verwenden sie dieselben Daten, folgen denselben Regeln und erzeugen denselben Prüfpfad wie die Anwendungen selbst. Kunden können dabei den Grad der Autonomie steuern und an den jeweiligen Prozess anpassen. Bei Aufgaben mit hohem Risiko müssen Entscheidungen vom Menschen genehmigt werden, während bei Routineaufgaben eine stärkere Automatisierung möglich ist.

Laut Christian Klein hat die SAP seit der SAP Sapphire über 20 Joule Assistants und mehr als 200 Joule Agents entwickelt. Weitere 400 Agenten sollen bis Ende des Jahres bereitgestellt werden. „Worauf es eigentlich ankommt, ist jedoch nicht die Zahl der Agenten, sondern die Geschäftsergebnisse, die damit erzielt werden“, betonte er.

Die SAP Business AI Platform

„Dass diese Agenten Ihr Unternehmen so gut verstehen, liegt an der SAP Business AI Platform“, erläuterte Christian Klein. „Die Plattform stellt Kunden für jeden agentenbasierten Anwendungsfall das beste Frontier-AI-Modell bereit, ermöglicht den Agenten direkten Zugriff auf den umfangreichsten Geschäftskontext und bietet von SAP verwaltete Governance.“

Manoj Swaminathan, President und Chief Product Officer für die SAP Autonomous Suite, knüpfte an die Ausführungen von Christian Klein an und bezeichnete die SAP Business AI Platform als die Infrastruktur, die die Voraussetzungen für das autonome Unternehmen schafft. Die Plattform bietet drei zentrale Möglichkeiten: die Entwicklung von Agenten, die Nutzung von Geschäftsdaten als Kontext für diese Agenten und die Steuerung der Funktionsweise von Agenten.

Manoj Swaminathan erläuterte, wie die Kontextschicht dafür sorgt, dass Agenten präzisere Ergebnisse erzielen. Joule Studio ermöglicht die No-Code-Entwicklung und die professionelle Entwicklung mit Zugriff auf über 70 Modelle. Diese Strategie verringere die Bindung an einen bestimmten Anbieter und die Token-Kosten.

„Joule Studio ist direkt in unsere Kontextschicht integriert“, führte er aus. „Die entwickelten Agenten sind deshalb präziser, lassen sich schneller implementieren und können effizienter ausgeführt werden. Unser Knowledge Graph ist die Karte mit allen Prozessen, Datenflüssen und Business-Tools. Die Agenten finden unter vielen Tausend Prozessen den richtigen und wählen aus den über sieben Millionen Datenquellen die richtigen Informationen aus. Die SAP Business Data Cloud wendet diesen Kontext auf Ihre gesamten Daten, eine einheitliche Sicht, die Prozesse, Richtlinien und Logik an, um sie aussagekräftig zu machen.“

Manoj Swaminathan betonte, dass KI die Probleme, die durch ein defektes Datenmodell entstehen, nicht beseitigen kann. Damit Agenten die Geschäftsregeln von Kunden verstehen können, werden die SAP Domain Models mit dem Code von SAP trainiert. Für Prognosen stellt SAP zwei Engines bereit, die auf den Geschäftsabläufen von Kunden basieren: die Modellfamilie SAP-RPT, die mit SAP-Geschäftsdaten trainiert wurde, und das tabellarische KI-Modell von Prior Labs.

Das fiktive Start-up „Jerseys from Jersey“ als Beispiel für das autonome Unternehmen

Jan Gilg, Global President von SAP Customer Success & Americas, präsentierte in seinem Teil der Eröffnungsrede das fiktive Start-up „Jerseys from Jersey“ und bat eine Reihe von Kunden auf die Bühne, um seine Fragen zu beantworten und die Strategie für das autonome Unternehmen aus ihrer Sicht zu bewerten.

Zur Runde dieser Kunden zählten der Pharmakonzern Novartis, der in einem Pilotprojekt Joule Sourcing Agents für die Angebotsanalyse und Unterstützung von Verhandlungen einsetzt, und der Lebensmittelhersteller Morgan Foods, der von der Transformation seiner Lieferkette mit SAP S/4HANA und SAP Integrated Business Planning berichtete. Außerdem vertreten waren der Konzern Nestlé, der darauf verwies, wie wichtig ein einheitlicher digitaler Kern ist, und der SAP-Kunde und -Partner PwC, der den geschäftlichen Nutzen des SAP-Portfolios Industry AI aufzeigte.

Jan Gilg fasste die Erfahrungsberichte dieser Kunden zusammen und bekräftigte, dass die einzelnen Elemente der SAP Autonomous Suite mehr sind als „eine Sammlung funktionaler Komponenten. Es ist ein System, das alles zusammenhält und Konnektivität, Kontext und Kontrolle bietet.“

Jan Gilg hatte auch verschiedene Produktankündigungen im Gepäck, unter anderem die Einführung des integrierten Zahlungsdienstes SAP Pay, der Lieferantenzahlungen automatisch ausführen und abgleichen kann, sobald eine Rechnung genehmigt wurde. Er kündigte außerdem die geplante Übernahme von TechWolf an, einem belgischen Start-up, das eine Workforce-Intelligence-Lösung zur Schließung von Qualifikationslücken entwickelt hat.

Sicherheit und Governance

Anschließend ging Marielle Ehrmann, Chief Security Officer und Mitglied des SAP-Aufsichtsrats, auf die Themen Vertrauen und Governance ein. Sie berichtete, dass Ransomware-Attacken, für die Angreifer früher acht Stunden brauchten, nun mithilfe von KI in gerade einmal 22 Sekunden ausgeführt werden können. Sie verwies außerdem darauf, dass zwar 83 % der Unternehmen KI täglich nutzen, jedoch nur 13 % wirklichen Einblick in die von ihnen eingesetzte KI haben.

„Die größte Bedrohung für Unternehmen ist nicht schädliche KI, sondern KI, die nicht verwaltet wird“, führte Marielle Ehrmann aus. Zur Abwehr dieser Bedrohung sollten jedem Agenten ein verifizierter Verantwortlicher, eine Risikostufe und klar umrissene Zugriffsrechte zugewiesen sein. Diese sollten durch Zero-Trust-Prüfungen der Identität, des Zwecks und der Sensibilität von Daten sowie durch menschliche Kontrolle unterstützt werden.

Sie betonte, dass die SAP Business AI Platform gesetzliche Vorschriften und Lokalisierungsanforderungen beinhaltet, Benutzerberechtigungen anwendet, dafür sorgt, dass Kundendaten nicht zum Trainieren von Foundation-Modellen verwendet werden, und drei Kontrollebenen unterstützt: die Human-in-the-Loop-Genehmigung, die Human-on-the-Loop-Überwachung und das Human-in-Command-Modell, bei dem der Mensch die letzte Entscheidungsinstanz ist. „Je autonomer ein Agent handelt, desto strengere Kontrollmaßnahmen müssen angewendet werden“, erklärte Marielle Ehrmann. Sie bezeichnete dieses Prinzip als „Freiheit innerhalb klar definierter Grenzen“.

Kunden setzen ganz klar auf den Wandel

Abschließend ergriff Christian Klein noch einmal das Wort und betonte, dass Vertrauen die Grundlage für das geschäftliche Handeln der SAP sei – nicht nur in den vergangenen 50 Jahren, sondern auch in Zukunft. „Wir stellen die vertrauenswürdigste KI mit der besten Governance bereit“, sagte er. „Der Einsatz von KI setzt jedoch auch ein umfassendes Change Management voraus, damit sie die gewünschten Ergebnisse für Ihr Unternehmen erzielen kann.“

Hier kommen die Lösungen der SAP für die Unternehmenstransformation ins Spiel. SAP Signavio misst die Wertschöpfung von Prozessen vor und nach einer Änderung. Mit diesen Informationen können Token-Kosten begründet werden. Mit SAP LeanIX können Unternehmen KI-Agenten identifizieren und überwachen, während WalkMe die Akzeptanz und das Vertrauen der Benutzer fördert. Christian Klein verwies auch auf die Tools für eine agentengesteuerte Migration. Diese Lösungen haben aus seiner Sicht dazu geführt, dass Unternehmen bei Migrationsprojekten nicht mehr Ausgaben in Millionenhöhe in Kauf nehmen müssen.

„Das ist nicht mehr nur der Beginn einer neuen Ära. Das ist eine neue Ära“, gab Christian Klein dem Publikum mit auf den Weg. Er erläuterte, dass sich unter den SAP-Kunden ein deutlicher Wandel vollzieht: „Von manuellen Schritten zu vernetzten Workflows, von reaktiven Entscheidungen zu vorausschauenden Einblicken, von der manuellen Bearbeitung von Tabellen zu Human-in-the-Loop und Human-on-the-Loop – all das basiert auf unserer KI-Plattform, die dafür sorgt, dass KI präzise, kontrolliert und erweiterbar bleibt.“ Und vor allem, so Christian Klein, „sind all diese Möglichkeiten bereits vorhanden. Das ist das autonome Unternehmen.“

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Weiterführende Links

👉 www.sap.com  

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