Seit 2022 verbindet den Dresdner Halbleiterhersteller und die polnische Partnereinrichtung eine enge Ausbildungspartnerschaft. Das gemeinsame Ziel: jungen Menschen frühzeitig praxisnahe Einblicke in industrielle Arbeitswelten zu ermöglichen, internationale Erfahrungen zu fördern und den Austausch moderner Ausbildungsansätze zwischen beiden Ländern zu stärken.
Theorie trifft Praxis
Das polnische Ausbildungssystem ist deutlich schulischer organisiert als das deutsche. Nach acht Jahren Grundschule wechseln die Jugendlichen in eine mehrjährige technische Berufsausbildung, in der Theorie und praktische Übungen überwiegend an der Schule stattfinden. Zwar verfügt die Schule in Nowa Sól über modern ausgestattete Werkstätten, Labore, CNC-Anlagen und Fertigungsstraßen, Erfahrungen in realen Unternehmensumgebungen sind jedoch nur begrenzt möglich.
Genau hier setzt die Partnerschaft mit GlobalFoundries an. Die Teilnehmenden lernen industrielle Prozesse, moderne Technologien und die Unternehmenskultur eines internationalen Hightech-Unternehmens aus erster Hand kennen.
In diesem Jahr nahmen sechs angehende Mechatroniker, zwei angehende Programmiererinnen und zwei angehende Informatiker am Austausch teil. Die meisten von ihnen sind noch minderjährig und haben in Dresden ihre ersten internationalen Berufserfahrungen gesammelt. Begleitet wurde die Gruppe von ihrer Deutschlehrerin, die an einigen Stellen als Dolmetscherin unterstützte, wenn die Deutschkenntnisse der Jugendlichen nicht ausreichten.

Gemeinsam bauen, tüfteln und entwickeln
Während ihres Aufenthalts arbeiteten die Jugendlichen an einem praxisorientierten Projekt: dem Bau einer Holzmodell-Villa mit eigener Energieversorgung. Dazu planten und installierten sie elektrische Komponenten, löteten Schaltungen nach Plan, montierten ein Solarpanel auf dem Dach und sorgten dafür, dass die Beleuchtung des Hauses über selbst erzeugte Lichtenergie betrieben werden konnte.
Dabei waren technische und handwerkliche Fähigkeiten gleichermaßen gefragt. Von Elektrotechnik über Löten, Sägen und Feilen bis hin zur kreativen Gestaltung konnten die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen anwenden und erweitern.

Eindrücke aus der Welt der Halbleiter
Ein besonderes Highlight war der Blick hinter die Kulissen der Halbleiterindustrie. Die Gruppe absolvierte ein Reinraumtraining und bestand den dazugehörigen Test. Ergänzt wurde das Programm durch eine virtuelle Reinraumtour, Besuche von Laboren und Ausbildungsbereichen sowie Gespräche über Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten bei GlobalFoundries.
So erhielten die Teilnehmenden einen authentischen Eindruck davon, welche Kompetenzen in der modernen Mikroelektronik gefragt sind und welche vielfältigen Berufsperspektiven die Branche bietet.

Digitale Kompetenzen für die Zukunft
In der zweiten Woche standen digitale und berufliche Kompetenzen im Mittelpunkt. Die Jugendlichen dokumentierten ihre Erfahrungen auf einer deutsch-polnischen Projektplattform, arbeiteten an persönlichen Portfolios und reflektierten ihre fachliche sowie persönliche Entwicklung.
Darüber hinaus beschäftigten sie sich mit Bewerbungsunterlagen, verfassten Lebensläufe und Bewerbungsschreiben und setzten sich intensiv mit ihren eigenen beruflichen Zielen auseinander. Die Verbindung von technischem Know-how, digitalen Fähigkeiten und beruflicher Orientierung macht den Austausch zu einem ganzheitlichen Lernerlebnis.
Langfristiger Wissenstransfer
Die Zusammenarbeit geht dabei weit über den zweiwöchigen Aufenthalt hinaus. Die Schülerinnen und Schüler halten ihre Erfahrungen in einem Blog fest und nehmen neue Ideen, Methoden und Impulse mit zurück nach Polen. Dort können die gewonnenen Erkenntnisse wiederum in den Unterricht und die Ausbildung einfließen.
Die Partnerschaft selbst wurde sorgfältig aufgebaut: Bereits vor Beginn des Programms besuchten Ausbilderinnen und Ausbilder von GlobalFoundries die Schule in Nowa Sól, um Ausstattung, Lehrinhalte und Ausbildungsbedingungen kennenzulernen. Im Gegenzug waren Schulleitung und Ausbildungsverantwortliche mehrfach in Dresden zu Gast.
Die aktuelle Gruppe ist bereits die zweite Schülergruppe aus Polen, die im Rahmen der Kooperation bei GlobalFoundries ausgebildet wurde. Der Austausch soll auch künftig jährlich fortgeführt werden.
Dresden entdecken
Neben dem fachlichen Programm blieb auch Zeit, Dresden kennenzulernen. Im Rahmen des Erasmus+-Programms erkundeten die Jugendlichen zahlreiche Sehenswürdigkeiten, darunter die Frauenkirche, den Zwinger, die Kunsthofpassage, Schloss Pillnitz und das Japanische Palais. Auch Museumsbesuche standen auf dem Programm.
Zum Abschluss bedankte sich die polnische Gruppe bei den Ausbilderinnen und Ausbildern von GlobalFoundries mit regionalen Spezialitäten aus ihrer Heimatregion an der Oder. Eine kleine Geste, die die persönliche Seite einer Partnerschaft unterstreicht, die weit mehr ist als ein klassischer Schüleraustausch: Sie verbindet junge Talente, Bildungseinrichtungen und Industrie über Ländergrenzen hinweg und schafft wertvolle Erfahrungen für die Fachkräfte von morgen.
