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IBM: Acht von zehn Unternehmen in EMEA eskalieren KI-Vorfälle bis auf Vorstands- oder Geschäftsleitungsebene – KI-Agenten stellen die Governance auf die Probe

16. Oktober 2026. Eine neue Studie von IBM (NYSE: IBM) zeigt, dass KI-bezogene Vorfälle zunehmend die Vorstandsetagen in Europa und dem Nahen Osten erreichen. Jedoch halten demnach die Governance-Fähigkeiten der Unternehmen und die Verantwortlichkeit für Risiken nicht mit der Einführung der Technologie Schritt. Acht von zehn befragten Führungskräften geben an, dass im vergangenen Jahr die Information über einen KI-bezogenen Vorfall – darunter das Fehlverhalten eines KI-Agenten, Datenoffenlegungen, fehlerhafte KI-gestützte Entscheidungen oder Sicherheitsverletzungen durch KI – den Vorstand oder die Geschäftsleitung erreicht hat. Dennoch berichten weniger als die Hälfte (EMEA: 40 %; in Deutschland: 39 %) dieser Unternehmen, dass sie als Reaktion darauf ihre KI-Governance-Richtlinien oder -Frameworks angepasst haben.

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Symbolbild Führungsebene. Foto: unsplash

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Wenn die Geschwindigkeit der KI-Einführung die Bereitschaft von Governance- und Compliance-Rahmenwerken übersteigt, setzt die Mehrheit der Führungskräfte (in EMEA 56 %) die Einführung innerhalb vereinbarter Risikogrenzen fort, während die Governance nachgezogen wird. In Deutschland gaben dies sogar 64 % der Führungskräfte zu Protokoll. Auf EMEA-Ebene verschiebt nur ein Drittel die Einführung vollständig, bis die Governance bereit ist. Dieser Wert lag mit 23 % unter den deutschen Befragten merklich niedriger.

Die Befragung von mehr als 3.200 Führungskräften in Unternehmen aus acht Ländern Europas und des Nahen Ostens deutet darauf hin, dass Governance-Richtlinien weiter unter Druck geraten werden, wenn KI-Agenten zunehmend autonom arbeiten. 35 % der Befragten setzen agentische KI bereits produktiv ein, unter den deutschen Teilnehmern tun dies 19 %. Drei Viertel erwarten jedoch, dass KI-Agenten bis 2027 ein gewisses Maß an Entscheidungsautonomie besitzen werden; die deutschen Befragten haben mit 62 % hier eine niedrigere Erwartungshaltung. Nur 37 % aller Befragten – in Deutschland 38 % – geben an, dass ihre aktuellen Governance-Systeme dafür ausgelegt sind, mit dem Einsatz agentischer KI zu skalieren.

Ana Paula Assis, IBM Senior Vice President and Chair, EMEA and APAC, sagte: „Die Debatte rund um KI hat sich von der Einführung hin zu Governance und Verantwortlichkeit verlagert. Wenn Unternehmen von KI-Assistenten zu autonomen Agenten wechseln, kann Governance nicht länger nur als Compliance-Thema betrachtet werden. Sie ist zu einer geschäftlichen Notwendigkeit und einem Wertschöpfungsmotor geworden.

Die Unternehmen, die KI verantwortungsvoll und vertrauenswürdig skalieren können, werden den größten geschäftlichen Nutzen erzielen. Das bedeutet, dass Governance direkt in die Arbeitsweise von KI-Agenten integriert werden muss – mit klaren Grenzen für ihre Handlungsmöglichkeiten, klar geregelten Verantwortlichkeiten für Fehlerfälle und Kontrollmechanismen in Echtzeit.“

Verantwortungs- und Haftungslücke

Nahezu alle befragten Führungskräfte (98 % in EMEA, 95 % in Deutschland) haben die Verantwortung für KI-Risiken formell auf Vorstandsebene verankert. 26 % der Unternehmen in EMEA verfügen über einen speziellen KI-Ausschuss auf Vorstandsebene, in Deutschland sogar 34 %. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass es keinen klaren Konsens darüber gibt, wer für negative Folgen durch KI-Agenten verantwortlich ist. Die am häufigsten genannte Rolle war CIO oder CTO, jedoch nur von 17 % der Befragten, sowohl in EMEA als auch in Deutschland.

Auch bei der rechtlichen Haftung im Falle erheblicher Schäden durch KI-Systeme gehen die Meinungen auseinander: 20 % (in Deutschland: 19 %) sind der Ansicht, dass die Haftung anteilig zwischen Anwender und Anbieter aufgeteilt werden sollte, 19 % (in Deutschland: 22 %) sehen die Notwendigkeit eines regulatorischen Rahmens, der derzeit noch nicht ausreichend existiert, und 14 % (in Deutschland: 12 %) sprechen die Verantwortung dem KI- oder Technologieanbieter zu.

Um die zunehmend autonomen KI-Agenten zu steuern, die bis 2027 Entscheidungen ohne menschliche Freigabe in jedem einzelnen Schritt treffen könnten, halten Führungskräfte insbesondere folgende Maßnahmen für erforderlich:

  • Formale rechtliche oder vertragliche Regelungen zur Haftung von KI-Anbietern bei Fehlern von Agenten (in EMEA 33 %, in Deutschland 31 %)
  • Definierte Schwellenwerte für die Eskalation an Menschen (in EMEA 32 %, in Deutschland 29 %)
  • Echtzeitüberwachung und Audit-Trails für Entscheidungen und Aktionen von Agenten (in EMEA 30 %, in Deutschland 28 %)
  • Die Möglichkeit, Aktivitäten von Agenten unternehmensweit sofort zu stoppen (29 %). In Deutschland sahen dies nur 22 % der Befragten als notwendig an.

Weitere zentrale Ergebnisse

Messung finanzieller Risiken weniger etabliert als die Verankerung der Verantwortung auf Vorstandsebene: Mehr als die Hälfte der Führungskräfte (54 %) behandelt generative KI-Tools und agentische KI-Systeme als unterschiedliche Risikokategorien mit separaten Governance-Frameworks. In Deutschland gilt dies sogar für 64 % der Befragten. Weitere 38 % nutzen in EMEA dasselbe Grundframework, ergänzen es jedoch um zusätzliche Kontrollen für agentische KI; in Deutschland tun dies lediglich 26 %. Die Quantifizierung finanzieller Risiken aus Governance-Lücken ist deutlich weniger fortgeschritten: Auf EMEA-Ebene verfügen nur 37 % über eine formale, vom Vorstand überprüfte Bewertung dieser Risiken. In Deutschland gaben dies 38 % der Teilnehmer an.

Risiken in der Lieferkette: 54 % der Befragten in EMEA (in Deutschland: 47 %) sehen Lücken oder Einschränkungen darin, wie ihre Governance-Frameworks KI-Systeme und Modelle von Lieferanten, Technologiepartnern und anderen Akteuren der Lieferkette abdecken. Nur 21 % (in Deutschland: 18 %) überwachen Risiken durch Drittanbieter-KI kontinuierlich, und lediglich 13 % verlangen unabhängige Prüfungen oder Zertifizierungen. In Deutschland verlangen dies mit 11 % noch einmal weniger der Befragten.

Regulatorik beeinflusst das Tempo regional unterschiedlich: In der EU beschleunigen 41 % der Führungskräfte ihre Governance-Investitionen im Vorfeld der Anforderungen des EU AI Act für Hochrisiko-Anwendungen ab Dezember 2027. In Deutschland lag dieser Wert mit 50 % noch einmal höher. Weitere 35 % in der EU verfolgen strukturierte Compliance-Pläne, in Deutschland sagten dies 22 % der Befragten. Im Vereinigten Königreich sind Erwartungen der Branchenaufsicht der wichtigste Treiber für Investitionen in KI-Governance (27 %). In Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten stehen Anforderungen aus nationalen KI-Strategien im Vordergrund (61 %).

Studienmethodik

Die Untersuchung wurde von Censuswide im Auftrag von IBM durchgeführt. Befragt wurden 3.221 Mitglieder des Top-Managements, darunter C-Level-Führungskräfte, aus Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Datenerhebung erfolgte zwischen dem 14. und 24. September 2026.

Über IBM

IBM ist ein führender Anbieter von globaler Hybrid Cloud und KI sowie von Beratungsleistungen. Wir unterstützen Kunden in mehr als 175 Ländern dabei, Erkenntnisse aus ihren Daten zu nutzen, Geschäftsprozesse zu optimieren, Kosten zu senken und sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Tausende Regierungen und Unternehmen in kritischen Infrastrukturbereichen wie Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Gesundheitswesen verlassen sich auf die Hybrid-Cloud-Plattform von IBM und Red Hat OpenShift, um ihre digitale Transformation schnell, effizient und sicher voranzutreiben. Die bahnbrechenden Innovationen von IBM in den Bereichen KI, Quantencomputing, branchenspezifische Cloud-Lösungen und Beratung bieten unseren Kunden offene und flexible Optionen. Dies alles basiert auf dem langjährigen Engagement von IBM für Vertrauen, Transparenz, Verantwortung, Inklusion und Service. 

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