Herkömmliche Messmethoden stützen sich oft nur auf zwei Messpunkte – am oberen und unteren Ende des Speichers. Dies führt zu erheblichen Messlücken im mittleren Bereich, wodurch es schwierig ist, die thermische Schichtung genau zu erfassen. Folglich sind die gewonnenen Daten ungenau, was eine exakte Steuerung und optimale Nutzung der gespeicherten Energie erschwert.
Im Gegensatz dazu ermöglicht eine intelligente, verteilte Temperaturüberwachung mit sieben Messpunkten eine nahezu kontinuierliche Datenerfassung. Dadurch wird die tatsächliche Temperaturschichtung innerhalb des Wärmespeichers sichtbar und das Steuerungssystem erhält weitaus detailliertere Informationen für ein effizientes Lademanagement und eine optimale Nutzung des Wärmespeichers.
Die vorgestellte Simulation veranschaulicht die thermische Beladung eines Warmwasserspeichers von oben und vergleicht diese beiden Messkonzepte direkt miteinander. Sie zeigt deutlich, dass die verteilte Temperaturmessung die tatsächliche Temperaturschichtung im Wärmespeicher offenbart.
Optimierung des Lademanagements durch kontinuierliche Datenerfassung
Mit präzisen Temperaturdaten kann das Steuerungssystem den Ladezustand, die Schichtgrenzen und die nutzbaren Energiemengen viel genauer einschätzen und die Ladestrategie dynamisch oder sogar autonom anpassen. Gleichzeitig erhalten die Gebäudeautomation und übergeordnete Lastmanagementsysteme Zugriff auf hochauflösende Zustandsdaten. Dies ermöglicht eine optimale Integration des Wärmespeichers in das Gesamtsystem und eine intelligente Koordination von Erzeugern, Verbrauchern und Speichern.
Power-to-Heat als Flexibilitätsoption im Energie- und Lastmanagement
Im Zusammenhang mit Power-to-Heat eröffnet die genaue Kenntnis des Speicherzustands zusätzliches Flexibilitätspotenzial. Ein Energie- oder Flexibilitätsmanagementsystem (EMS/FMS) kann den aktuellen Ladezustand nutzen, um die Wärmeerzeugung bedarfsgerecht zu steuern und gleichzeitig elektrische Spitzenlasten im Gebäude oder im vorgelagerten Netz zu mindern. Überschüssige elektrische Energie kann über integrierte Heizelemente effizient in Wärme umgewandelt und vorübergehend im Wärmespeicher gespeichert werden.
Normen, Smart Readiness Indicator und europäische Gebäudestrategie
Die intelligente, dezentrale Temperaturüberwachung lässt sich nahtlos in bestehende normative Rahmenwerke integrieren:
- DIN EN 12828 – Planung von Warmwasser-Heizungssystemen
- VDI 2067 – Wirtschaftliche Bewertung von energieverbrauchenden Systemen
- DIN EN ISO 52120 (ehemals EN 15232) – Energiebewertung von Gebäudeautomations- und -managementsystemen
Darüber hinaus trägt die hochauflösende, kontinuierliche Datenerfassung direkt zum Smart Readiness Indicator (SRI) bei. Sie stärkt die Fähigkeit eines Gebäudes, Energieflüsse intelligent zu steuern, flexibel auf externe Signale zu reagieren und Speichersysteme aktiv für Effizienz, Flexibilität und Netzstabilität zu nutzen – ganz im Sinne der europäischen Gebäudestrategie und der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD).
Umfassende Kenntnisse über das Temperaturprofil im Wärmespeicher sind der Schlüssel zu einem optimalen Lademanagement. Sie liefern präzise Daten für die optimale Nutzung der Wärmeenergie, verbessern die Effizienz von Power-to-Heat-Systemen und unterstützen die intelligente Integration in Smart Buildings und das Netzmanagement. Damit ist der Wärmespeicher nicht nur energieeffizient, sondern auch ein aktiver Bestandteil für die Zukunft der intelligenten Energieversorgung.
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